Chronik

Überblick : Inhalte der nachfolgenden Chronik von Ringelberg (Teil 1)

Ringelberg: Namensgebung, Gründung der Walddörfer; Historische Entwicklung

Die Gemeinde: Größe, Streudorf, Hegerei, Post, Verkehrsanbindung, wirtschaftl. Verhältnisse, Schule, Kirche

Daten und Ereignisse (1764-1948), Der Anschluss an das Altreich, Ausklang und Nachsatz

Gedichte, In Memoriam Ferdinand Roth, Das Kriegsende, Gedicht und Trostgebet

Der Reichenbach und die Wasserscheide an der Grenze und gewerbliche Kleinbetriebe

Erklärungen und Abkürzungen

Josef gleißner: Ringelberg

Kreis Tachau, Regierungsbezirk Eger, Sitz in Karlsbad

Eine Chronik

Ringelberg: Ein Egerländer Dorf mit unmittelbarer Grenze zur Oberpfalz, in je 8 Km Entfernung zwischen Tachau (Tachov) und Bärnau gelegen

Diese Chronik ist den Vertriebenen, ihren Angehörigen und unseren Vorfahren der ehemaligen Gemeinde, die heute zu 85% zerstört ist, gewidmet. Mit anderen Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Wegen der Fülle der ausgewerteten Informationen war es nicht immer möglich, auf die Fundstellen im Einzelnen hinzuweisen.

Nach dem Theresianischen Katastar von 1713 bestand der Ort Ringelberg bereits zu diesem Zeitpunkt. Nachdem im Königreich Böhmen im Jahre 1770 die Hausnumerierung eingeführt wurde und Ringelberg im Jahre 1788 (Topographie des Königreichs Böhmen, Schaller, Prag) bereits 51 Häuser aufwies, mußte das Haus Nummer 12 zwischen 1713 und 1788 errichtet worden sein. Der genaue Zeitpunkt ist aber nicht bekannt.

Sicher ist, daß man Siedler aus Franken und der Kurpfalz, wie damals die Oberpfalz genannt wurde, in das Land Böhmen holte, um die waldreichen Ländereien am Rande des Königreiches zu erschließen. Diese Siedler erhielten in unserer Gegend von der Herrschaft Tachau Land zugewiesen und waren deshalb auch Robot – und Zinspflichtig (siehe Ausführungen in der Ringelberger Ortschronik). Einträge in den Matriken der Pfarre Ringelberg – Hals weisen darauf hin, daß der frühere Eigner des beschriebenen Anwesens ein Georg Bauer, geboren im Hause Nr. 8 in Ringelberg, war. In diesem Hause befand sich einst ein kleiner (geringer = ringer) Meierhof der Herrschaft Tachau. Seine Ehefrau Maria Schiffl dagegen wurde im Hause Nr. 23 (Jägerhäuser) geboren. Der Hausname lautete damals Bauan).

Ringelberg

„Ringelberg, eine bewaldete Anhöhe am Böhmerwald, worauf einige zerstreute Chalupen (Hütten) mit einem geringen Meierhof stehen. Die im Wald hierorts befindlichen Gründe sind beständig sumpfig, besonders die am Edelbach am Haselteich. Von Ringelberg kann man die Gegend von Wittgengreith (Wittingreith) übersehen. … Der hier durchgehende Weg von Hals nach Hörmannnsreith (Hermannreith) ist steinig und verschieden hohl; zur Noth kann man im Sommer mit der Feld – Artillerie passieren. Der Weg zur Edelweyher – Mühle aber ist mit schweren Wagen gar nicht praktikabel (zu benützen). Ist entfernt gute halbe Stunde vom Edelweyher (Irlweiher), Viertelstunde von Hals“. (Josefinische Landaufnahme 1764 – 1767).

Eingebunden in eine wohlgefällige, abwechslungsreiche Landschaft des südlichen Egerlandes, kann man von der Mitte des Streudorfes aus den Schusterberg (623 m), und viele markante Punkte der näheren und weiteren Umgebung ausmachen. Im Uhrzeigersinn von Süden beginnend, erkennt man den Ort Sorghof (Houma), heute vom Trinkwasserstausee Lucina überschwemmt, die Albersdorfer Höhen (708 m), den Pfraumberg (837 m), manche behaupten, bei klarer Sicht auch den Osser im Böhmerwald (1293 m), die Orte Tachauer Brand und Thiergarten, dann die Wälder um Neu – Windischgrätz, den Großen Rabenberg (894 m ), den Entenbühl (Bayern) mit 901 m, die Paulusbrunner Höhen mit dem Bärnauerberg (813 m), den Schmuckerberg (802 m ), die Höhe 801 bei Hermannsreuth (Bayern), den Katzenberg (712 m ), den Altarstein (707, heute 710 m), den höchsten Berg der ehemaligen Gemeinde Ringelberg (heute Oltar genannt), die Höhe 701 m bei Griesbach (Bayern), den Pfefferbühl bei Planer Brand (771 m), schließlich die Orte Hals und Stiebenreith, letztendlich den Stromerberg bei Frauenreith (619 m) und ganz im Hintergrund den Wolfsberg bei Tschernoschin im ehemaligen Kreis Mies (699 m).

In der Gegend herrscht ein gemäßigtes Gebirgsklima, in höheren Lagen ist es auch rauh. Die Witterungsverhältnisse sind durch die reich bewaldete Umgebung beeinflußt. Die Niederschläge sind infolgedessen größer als im Inneren des Landes. Die unmittelbare Nähe des Waldes mildert sowohl die Hitze im Sommer, als auch die Kälte im Winter. Die Hauptwindrichtung ist die Westliche; der sogenannte Bayerische Wind bringt Regen, der Ostwind dagegen meist trockenes Wetter. Stürme sind selten. An Gesteinen findet man meist Gneis und Glimmer; im begrenzten Umfang auch Granit. Es hat aber Granitfindlinge – aus der Eiszeit stammend – am Ruhberg, in der Nähe des Gruberhölzels (Grouwa) und am Blätterlberg (Thiergarten) gegeben.

Namensgebung

Nach der Schulchronik ist der Ortsname damit zu erklären, daß die Häuser des Ortes in Form eines Ringes um den Schusterberg gebaut wurden. Die Sage freilich behauptet, der Ort hat den Namen deshalb erhalten, weil sich am Schusterberg über viele Jahre hinweg eine große Menge Ringeltauben aufgehalten haben sollen. Dies ist aber nicht gut erklärbar. Nach Dr. Karl Lanzendörfer, Tachau, signalisiert der Name „vermutlich den Ort auf dem ringen (mittelhochdeutsch sanften, geringen) Berge“, (Schuster und Schramberg, beide 623 m hoch). Das Wort „ringen“ hatte zur Zeit der Ortsgründung – und wohl auch später – die Bedeutung von leicht, besser sanft. Die mögliche Bestätigung für diese Deutung liefert die Josefinische Landaufnahme (siehe den Anfang des Berichts), worin von einem geringen Meierhof, der am ringen Berge (Schusterberg) gelegen war, die Rede ist. Der Meierhof gehörte dem Grundherren von Ringelberg, der Herrschaft Tachau, und war von geringer Größe mit geringem Ertrag. Aus den Matriken der Pfarre Ringelberg (später Hals) geht hervor, daß viele Ringelberger Vorfahren im Hause Nr. 8 (später Schoustmatzn) geboren wurden und wohnten. Es muß sich deshalb um eine größere Wohnanlage gehandelt haben; einem Meierhof entsprechend. Später kamen die Bewohner oft in andere, inzwischen neu erstellten Gebäude – mit höheren Hausnummern – unter. Einige Gründe der Neusiedler dürften von dem später aufgelösten Meierhof stammen. Zum Beispiel lagen die Liegenschaften der Häuser Nr. 11, Flöitzschousta, Nr. 12, Grawaschn (vorher Bauern) und Nr. 15, Grouwa, fast gleichmäßig verteilt auf den Fluren zwischen den Ortsteilen Häuser und Wallerhäuser. Die Besitzer der Nummern 11 und 12 hatten beide Gründe am Schusterberg (Allodbesitz der Herrschaft Tachau), also abseits von den übrigen Gründen. Die dazwischen liegenden Behausungen Nr. 13 und 14 hatten keinen wesentlichen Grundbesitz aufzuweisen. Ganz geklärt ist die Namensgebung nicht. Seit 1955 heißt der Ort „Vysina“. Man kann dies mit „auf der Anhöhe befindlich“ übersetzen. Prof. Proufous hat dabei wahrscheinlich auf die Arbeit von Dr. Karl Lanzendörfer zurückgegriffen (Orte im ehemaligen Bezirk Tachau, Reichenberg, 1941)

Gründung der Walddörfer

Mitten im Walde, gegen die Kurpfälzische Grenze (heute Oberpfalz), sollten nach dem Willen der Tachauer Herrschaft Siedlungen auf ihrem Besitz angelegt werden, die zur Vermehrung der „Unterthanen“ und wirtschaftlichen Stärkung ihres Allods beitragen sollten. Von Zeit zu Zeit wurde es einzelnen Bewerbern gestattet, Häuser, besser gesagt „Chalupen“ = hüttenartige Häusle, auf ihren Gründen zu errichten. Meistens handelte es sich dabei um Hozhauer, welche den Auftrag zur Rodung des Bodens und zur Urbarmachung erhielten. Ganze Waldstriche fielen der Axt oder der Brandrodung zum Opfer. Die Siedler kamen meistens aus der Kurpfalz oder aus Franken; auch aus anderen Gegenden kamen Einzelne hinzu (z.B. Altbayern). Aus Franken mußten viele fortziehen, weil sie dem römisch – katholischen Glauben nicht abschwören wollten ( wie der Landesherr, so die Religion!). In Franken gab es meist ein – und zwei -silbige Namen, in Altbayern usw. drei-, vier- und fünf -silbige Nachnamen (die Ahnenpässe machen darauf aufmerksam). Alle Neusiedler konnten sich unter annehmbaren Bedingungen eine neue Existenz gründen. Sie erhielten Bauplätze zu 6 x 4 Klafter = 500 – 600 Quadratmetern, die das „emphyteutische“ Eigentum wurden (der Grundbesitz blieb im Eigentum des Grundherren). Zinspflichtig wurde der Grund erst nach 8 Jahren. Gestattete man ihnen auch Ackergründe zu roden, so verblieben diese in der Regel im vollen Eigentum des Grundherren; für die Nutzung mußten sie Pachtzins zahlen. Dieser betrug jährlich 2 Gulden (hfl) je Klafter. Es waren noch zusätzlich 15 Handrobot – Tage zu leisten. Man unterschied zwischen ganzen, halben und viertel – Höfen. Wegen der Zinsgründe entstanden später langwierige Streitigkeiten mit der Herrschaft Tachau.

Ein Teil der obrigkeitlichen Gründe wurde von den Beamten der Herrschaft falsch „einbekannt“ und von der Steuerbehörde über ein Vierteljahrhundert mit der Rustikale (Altbauern-gemeinschaft) vermengt. Durch ein Dekret vom Wiener Hof wurde diese Regelung aufgehoben und die Gründe kamen wieder zu Dominikale. Die Siedler nahmen irrtümlich an, Eigentümer der Gründe geworden zu sein und verweigerten einige Jahre Zins und Robot. Die spätere gerichtliche Entscheidung mußte demnach gegen sie ausfallen und die Herrschaft hätte ohne weiteres die Gründe einziehen können. Windisch – Grätz – inzwischen Besitzer der Herrschaft Tachau – ließ es nicht zur Anwendung des Gesetzes kommen, und als Alfred I im Jahre 1808 großjährig wurde, gestattete er sogar den Einkauf derselben. Er bezeichnete die Waldhäusler als „verirrte Kinder“ der Zeit und bot ihnen den Kauf zu annehmbaren Bedingungen an. Im Dezember 1814 erklärten sich 279 Waldhäusler zum Kauf bereit, 151 schlugen das Angebot aus. Für ein Klafter wurden durchschnittlich 3 ½ Kreuzer verlangt, zahlbar in 9 ½ Jahren.

Mit Bescheid des k.und k. Kreisamtes Pilsen (später Eger) vom 10.09.1833 ordnete das Oberamt Tachau (gezeichnet von M. Swoboda m.p.) an, daß die 15 „unverschämte Winkelschreiber“ Georg Wallner, Wenzel Schiefel, Georg Kaas, Georg Eckert, Anton Plobner, Jakob Seitz, Josef Eckert, Adam Böhm, Franz Kroha, Mathes Güntner, Christoph Häupel, Johann Heidenreich, Johann Kaspar Güntner, Adam Dammer und Joseph Schwägerl aus Brand, Thiergarten, Ringelberg, Galtenhof, Paulusbrunn und Neulosimthal sich am 16. d. M. um 2 Uhr nachmittags in der Oberamtskanzlei einzufinden haben, weil sie das Ansuchen im Grundzinserlaß nach den Grundzinsprovisorium vom Jahre 1820 nicht beim vorgesehenen obrigkeitlichem Amte, sondern vorschriftswidrig gleich bei der höheren Behörde eingereicht haben. Die verlangte Gleichstellung mit den Besitzern von eingekauften Rustikal – oder Dominikalswirtschaften war offenbar irrtümlich, da die Bittsteller bloß politischen Teils in Schutz genommenen Nutznießer von obrigkeitlichen Zinsgründen waren. Der Preis der Pachtgründe hatte sich noch etwas , nämlich von 2 fl. (Gulden) 1 ½ Kreuzer(kr) auf 2 fl., 22 kr pro Strich (altes Flächenmaß) erhöht. Die Gemeinden wurden angewiesen, 40 kr für jede verursachten Gesamtkosten per 4 fl. von den Gesuchgebern ohne weiteres herbeizubringen (einzuziehen) und den Armeninstituten zuzuwenden; denselben endlich für die Zukunft nochmals schon bei der kreisamtlichen Kommission vorgesehenen Verfahren bei Unterthanenbeschwerden bei Vermeidung strenger Bestrafung vorzunehmen. Es wird auf die Vorschrift des Unterthanenpatents vom 01. September 1781 verwiesen. Die endgültige Überführung in das Eigentum erfolgte meist zum 01.01.1868. Die Hausbauplätze waren durch das Grundentlastungsgesetz von 1848 bereits Eigentum der Siedler geworden.

Nach dem Tachauer Heimatkundler Franz Herzig legte Husmann von Namedy und Ringolei im Jahre 1626 (seit 04.09.1623 Besitzer der Herrschaft Tachau) den Grundstock für die Walddörfer Neulosimthal, Ringelberg, Thiergarten, Galtenhof, Brand bei Tachau, Paulusbrunnn etc, zumindest faßte er den Beschluß hierzu. Sicher ist, daß nicht alle genannten Orte damals schon gegründet wurden; Ringelberg war jedenfalls nicht darunter. Johann Philipp Husmann, kaiserlicher Reiterobrist im Dienste Wallensteins, früherer Dompräbend (Inhaber kirchlicher Pfründe) des kurfürstlichen Erzstiftes zu Trier, Freiherr von Namedy und Riolsburg (Ringolei) bei Andernach am Rhein und Graf Johann Anton Losi von Losimthal gelten mit Sicherheit als die Gründer der vorher genannten Orte (Walddörfer). Husmann war trotz seines unguten Rufes (er zwang die Bürger der Tachauer Gegend zum römisch – katholischen Glauben zurückzukehren), ein umsichtiger und weitblickender Mann, welcher seine Herrschaft zu einer größeren Bedeutung ausbauen wollte. Fortschrittlich gesonnen, regierte er mit eiserner Faust im Auftrag des fernen Kaisers in Wien. Hatten sich doch die Bürger der Stadt Tachau und Umgebung zum „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz, somit zum evangelischen Glauben, bekannt. Er erhielt deshalb vom Hofe in Wien außerordentliche Vollmachten. Bei seinem Tod im Jahre 1653 hinterließ er keine männlichen Erben. Seine Witwe verkaufte 1664/1665 den Besitz der Herrschaft Tachau an das Grafengeschlecht Losi vom Losimthal. Im Übergabevertrag war Ringelberg nicht aufgeführt; demnach bestand der Ort zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Entwicklung von Ringelberg

Gewisse Anhaltspunkte lassen die Vermutung zu, daß der Ort vor 1673 in seinen Anfängen bestanden haben könnte. Ringelberg gehörte ursprünglich zur Pfarre Tachau. Bevor die Ortschaft nachweisbar gegründet wurde, gab es im Herrschaftsbereich Tachau mehr oder weniger geduldete Siedler, deren Wohnstätten manchmal gewaltsam entfernt werden mußten, weil sie u.a. auch unberechtigterweise errichtet wurden. In der Tachauer Matrik tauchten die Siedler unter dem Vermerk „ ex silva“ = also aus dem Walde oder Waldhäuseln kommend, auf. Nachdem die Ortschaften Tachauer Brand, Thiergarten, Galtenhof (Irlweiher, aus der Irlohe) schon namentlich genannt wurden, war dies bei Ringelberg nicht der Fall. Aus dem Jahre 1673 wird berichtet, daß 2 Teilnehmer aus dem Tachauer Kirchspiel die Osterbeichte versäumt haben; die Männer stammten aus ex silva; vermutlich aus Ringelberg (nicht zuverlässig nachweisbar). In der Ringelberger Schulchronik gab es Hinweise darauf, daß die ersten Anwesen auf den „Gacha – Häusern“ gestanden haben sollen, bevor die anderen Ortsteile gegründet wurden. Es gab im hiesigen Sprachgebrauch einen Ortsteil Jägerhäuser (mittelhochdeutsch Gacha für Jäger). Dieser grenzte an den Ort Hals, welcher schon damals nachweislich bestand. Sicher haben sich dort Gachas = Jäger befunden.

Nachweis der Quellen

Der Ort wird erstmals im Jahre 1713 im Theresianischen Kataster (ThK) aufgeführt (auch aufm Rüngelberg ist vermerkt). In den Büchern der Herrschaft Tachau (Verzeichnis der Besitzer im Walde) wird ebenfalls 1713 der „Wald Ringelberg“ angeführt. In der Okularvisitation des ThK von 1722 erscheint der Name Ringelsberg. Die Herrschaft Tachau führte in der 2. Abteilung der Waldzinsgründe mit Tachauer Brand, Thiergarten, Galtenhof, Paulusbrunn und Neulosimthal und auch kleinere Ortsteile der vorher genannten Orte, auf. Ringelberg war dabei.

Die weitere Entwicklung mit Jahreszahlen belegt:

1788

hatte Ringelberg nach den Aufzeichnungen der Topographie im Kreis Pilsen des Königreichs Böhmen (Westböhmischer Kreis) bereits 51 Häuser aufzuweisen

1805

heißt es im Allgemeinen Verzeichnis sämtlicher im Königreich Böhmen befindlichen Ortschaften „Ringelberg, ein Dorf mit Pfarre (diese befand sich seit dem 04.12.1800 in Hals),gehört zur Herrschaft Tachau, 5 ½ Stunden von Plan entfernt.

1838

im Werk „Das Königreich Böhmen“, statistisch und topographisch dargestellt, wird angeführt: „Ringelberg, 1 ½ Stunden nordwestlich von Tachau entfernt, Dominikaldorf von 75 Häusern mit 538 Einwohnern. Der Ort besteht aus zerstreuten Waldhäuseln und ist nach Hals eingepfarrt. Ein Theil heißt Unter – Ruhberg und hat 2 obrigkeitliche Eisenhämmer, … ein anderer am Thörl und hat ein Forsthaus“.

1847

findet sich im „Handwörterbuch zur Landeskunde des Königreichs Böhmen“ der Eintrag: Ringelberg mit zerstreuten Waldhäusern und 625 Einwohnern, zur Pfarrei Hals gehörig (C.F. Waterich von Waterichsburg).

1880

zur Volkszählung werden 89 Häuser mit 639 Einwohnern aufgeführt. 48 Personen waren am Stichtag abwesend.

1890

Am 31.12. hat der Ort mit den Einzelhäusern Neuhammer, Ruhberghammer, Siebermühle, Wallerhaus und Schule insgesamt 93 Häuser mit 650 Einwohnern, davon 322 männlich, 328 weiblich, alle katholischen Glaubens, 644 mit deutscher Umgangssprache.

1930

sind 110 Häuser mit 576 Einwohnern verzeichnet.

1932

hatte nach den Angaben im Ortslexikon des Professor Pfohl Ringelberg 566 Einwohner (Orientierungslexikon der Tschechoslowakischen Republik, Verlag Gebr. Stiepel, Reichenberg).

1939

Am 17.05. waren bei der letzten Volkszählung 113 Häuser mit 513 Einwohnern, davon 249 männlich, angegeben. Die abwesenden Personen wurde damals nicht mitgezählt.

Aufteilung nach Altersgruppen:

  • 0 – 6 = 66

  • 6 – 14 = 99

  • 14 – 18 = 21

  • 18 – 65 = 295

  • über 65 = 32

Alle römisch – katholischen Glaubens.

Tätigkeiten:

  • Land – und Forstwirtschaft = 233

  • Industrie und Handwerk = 193

  • Handel und Verkehr = 22

  • Öffentlicher Dienst / Angestellte = 8

  • Selbständige = 57.

Bei Kriegsende waren 114 Hausnummern verzeichnet.

Eine besondere Eigenheit hatte der Ort aufzuweisen: Zwei Häuser der Gemeinde lagen im Siedlungsgebiet der Gemeinde Galtenhof (am Thörl). Die HsNr. 84 (Bärenlochkreuzer) und die HsNr. 103 (Bauanthouma am Haselteich). Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Reviereinteilung der Domäne Windisch – Grätz später als Gemeindegrenze übernommen wurde.

Gemeindegröße

Die Gemeinde war 13,28 Quadratkilometer groß. Davon waren:

  • 1,566 Qkm Äcker

  • 1,611 Qkm Wiesen

  • 0,008 Qkm Gärten

  • 0,591 Qkm Weiden

  • 0,207 Qkm unproduktive Flächen,

  • 0,1000 Qkm Teiche.

Der Rest war Wald. Das Ringelberger Revier war über 9 Qkm groß und in einem hervorragenden Zustand. Es wurde von der Erbin und Tochter des Fürsten Alfred III von Windisch – Grätz, der Gräfin Aglae Apponyi zu Nagy auf Palfa in Ungarn, im Jahre 1935 zum größten Teil an den Pilsener Fabrikanten Hugo Semmler, der US – Staatsbürger war, verkauft. Semmler verließ bereits im Frühjahr 1938 das ganz in modernen Zustand umgebaute Forsthaus am Thörl und ging nach den Staaten zurück. Es hatte z.B. Treppen aus Plexiglas.

Größe der landwirtschaftlichen Betriebe:

0 – 2 ha = 20

2 – 6 ha = 39

6 und mehr ha = 25.

Die Gemeinde

Das Streudorf hatte folgende Ortsteile:

  • Jägerhäuser (Gachahäuser)

  • Weinberg

  • Wallerhäuser, Ruhberg

  • Neuhammer (1937 abgebrannt)

  • Kromere und

  • Häuser.

An Rieden (Rodungen, Lichtungen und Moore) waren vorhanden:

  • Hirschwiese, Höll – Lohe, Wuselwiese, Brinst, Säufleck, Tafelsberg, Schwarze Lohe, Enhspitze und Hegerhaus.

Gasthäuser:

  • Wamser (Wirtshäusel), Nr. 88

  • Träger (Siewa), Nr. 10

  • Gruber (Frankn), Nr. 33 und

  • Stich (Klemperer), Nr. 59

Kaufläden:

  • Zwerenz (Wallerhans), Nr. 96

  • Träger (Siewarichard), Nr. 101.

Kapellen und Marterln bzw. Bildstöcke gab es bei den Häusern Nr.:

1, 2, 3 (noch vorhanden), 5 ,15, 20, 32 ,36, 41, 44,60, 81, 102 (noch vorhanden). Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges steht beim HsNr. 102; es wurde im Jahre 1991/ 1992 renoviert und im Juli 1992 wieder – eingeweiht.

Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister waren:

  • Franz Träger (Siewa), Nr. 10 bis 1919 * 1872, + 1942

  • G. Träger (Kaspaanares), Nr. 38 (weitere Daten nicht bekannt)

  • Andreas Popp (Mathes), Nr. 20 * 1874, + 1949

  • Andreas Kraus (Kosl), Nr. 36 * 1879 , + 1942

  • Josef Gruber (Struowlpepp), Nr. 17 * 1904 , + 1969

  • Ferdinand Gruber (Schwarzgirgn), Nr. 99 + 1907 , + 1992.

Als Gemeindesekretär war Josef Eckert (Schwarznseff), Nr. 50, tätig. + 1893, + 1964.

Hegerei, HsNr. 76

Dobner, Magerl, Weidl (ab 1939 im Schönbrunn bei Tachau tätig). Er wurde im Jahre 1945 in Pilsen am Bory von den Tschechen buchstäblich erschlagen. Als Öberförster war Karl Grund, früher Goldbach, ab 1939 für den konfiszierten Wald von Rudolf Semmler zuständig; er war dem Staatlichen Forstamt in Tachau unterstellt und wohnte im Hegerhaus bis zur Vertreibung.

Verkehrsanbindungen

Die Bezirksstraße Tachau – Bärnau (16,8 km) verlief über Frauenreith – Ringelberg (Wallerhäuser) – Galtenhof – Schanzhäuser (Paulusbrunn) – zur Landesgrenze nach Bärnau i.d. Oberpfalz. Diese wurde 1605 erbaut, 1815 und 1890 verändert bzw. verbessert. Auf dieser Straße bewegten sich 1809 der österreichische General Bellegarde mit einigen tausend Mann nach Bärnau und weiter nach Franken.1813 – 1815 (im Befreiungskrieg) benutzten diese Straße auch große Truppenkontigente aller beteiligten Parteien in beiden Richtungen für den Durschmarsch. Früher verlief die „güldten strasz“ von Tachau über Mauthdorf (beim Hollerwirtshaus in der sog. Mauthflur war die amtliche Mauthstelle) zu dem Krautwiesenhegerhaus in Thiergarten und weiter zu den Schanzhäusern (Paulusbrunn) nach Bärnau i.d. Kurpfalz. Auf dieser Straße zog einst Kaiser Karl IV (1346 – 1378) zu den Reichstagen nach Nürnberg. Auch Jan Hus benutzte dieselbe Straße auf dem Weg zum Konzil nach Konstanz (1414). Im Jahre 1764 wurde die Straße Tachau – Hals – Ringelberg – Galtenhof – Hörmannsreith angelegt bzw. ausgebaut (Josefinische Landaufnahme). Arondierungen gab es auch noch später in Ringelberg beim Wallerhansen und unterem Ruhberg. Der frühere Verlauf der Straße ist heute noch sichtbar. Heute verläuft die Staatsstraße S 199 über den Ortsteil Häuser von Ringelberg nach Hals, an Stiebenreith vorbei nach Tachau.

Forststraßen

Etwa 100 m westlich vom Wallerhansen (Zwerenzkaufmann) verläuft die Wichtigste in Richtung Haselweiher- Hussenberg – Schwarze Lohe nach Griesbach i.d. Oberpfalz. Das letzte Stück war allerdings nur ein Fahrweg. Ein Teil dieser Forststraße wurde einst als „Griesbacher Steig“ bezeichnet. Man brauchte dort früher keinen Zoll entrichten, was man am Leibe trug (etwa bis um 1806 ). Es war ein altes Recht, das auf Kaiser Karl IV zurückzuführen war. Er war mit einer kurpfälzischen Prinzessin verheiratet und gab deshalb dieses Priveleg für die Anwohner beider Länder (Böhmen und Kurpfalz) frei. Eine andere führte von den hinteren Gachahäusern über den Hirschenwald nach Hinter Planerbrand. Von dort gab es eine gut ausgebaute Forststraße nach Griesbach

Post

Ringelberg wurde früher von Paulusbrunn aus durch eine sogenannte Ruralpost = Landbriefträger versorgt. Als ab 01.12.1894 eine direkte Fahrpost von Tachau nach Hals eingerichtet wurde, kam der Ort zum Halser Postbereich. Die letzten Briefträger waren Johann und Andreas Hermann (Hula in Hals) und Otto Eheim aus Hals. Zuletzt wurde Hals von einer Landkraftpost durch eine Stichfahrt aus Tachau versorgt. Das Postamt leitete um das Jahr 1900 ein Postmeister Swoboda (Tscheche), später ein Herr Lichtenberg, dann Anna Wagner, geb. Prohaska (Tschechin) und zuletzt Agnes Schmid aus Hals. Diese verstarb in den 70er Jahren in Hals.

Bahnstation

Tachau war 8 km, Bärnau 9 km entfernt. Man benutzte sehr oft die Station in Bärnau, weil viele Gegenden in Deutschland auf kürzerem Wege erreicht werden konnten. Zu Beginn des 20. Jh wurde der Bahnbau von Tachau nach Bärnau ernstlich erwogen, weil die wirtschaftlichen Beziehungen schon immer sehr eng waren (Knopfindustrie usw.). Die Strecke sollte ein Teil des Schienenstranges Pilsen – Eger – Nürnberg werden. Geplant war eine Trasse von Tachau über Stiebenreith – Hals – Ringelberg – Galtenhof – Hermannsreith/Hermannsreuth nach Bärnau. Die beteiligten Gemeinden konnten sich aber wegen der Kosten nicht einigen und so verzögerte sich das Objekt immer wieder. Der letzte Antrag an die Regierung in Prag trug das Datum vom 28.09.1912. Dieser wurde wiederum abschlägig beschieden, wie man damals sagte. Dann kam der 1. Weltkrieg und der Traum war vorbei.

Omnibusverbindung

Anfangs der 20er Jahre wurde eine solche Verbindung von Tachau aus nach Bärnau eingerichtet. Zunächst betrieb ein Herr Bock aus Tachau die Linie. Mit dem Nationalitätenstreit beginnend, hat die csl Regierung dann die Lizenz an einen Jan Houzar aus Mlade Boleslav (Jungbunzlau) vergeben, der mit erheblichen Privilegien seitens der Tschechen ausgestattet wurde (fast keine Steuern, Staatszuschüsse u.a.m.). Diese kamen aus dem sogenannten Reptilienfonds der Republik, der im wesentlichen von den Tschechischen Nationalsozialisten gesteuert wurde. Ihr Ziel war, die Tschechisierung des deutschen Grenzgebietes. Houzar war auch als Aufpasser eingesetzt, um gewisse Vorgänge im Grenzgebiet zu melden. Der alte, graublaue Omnibus fuhr zunächst noch mit Vollgummireifen, die sich sehr schnell abnutzten. Pneus kamen erst später auf. Man konnte Teile vom Reifen (Fetzen) auf der gesamten Strecke auffinden. Nach dem Anschluß, wie wir die Eingliederung in das Deutsche Reich nannten, übernahm die Deutsche Reichspost mit modernem Gerät die Streckenführung. Ein Herr Bayerl aus Tachau, später die Tschechen Karel Hostalek und Franta Silowsky, waren die Fahrzeugführer. Marie Bäuml aus Paulusbrunn war die Schaffnerin. Mit dieser Linie wurden auch Galtenhof und Paulusbrunn mit Post versorgt. Es war auch ein sogenannter Kartenschluß (ständiger Postaustausch) zwischen Tachau und Bärnau verabredet. Der Bärnauer Postmeister Deinlein wachte mit regem Auge darüber. Es gab auch schon früher regelmäßigem Postaustausch zwischen beiden Städten, was durchaus nicht im bayerisch – böhmischen Grenzgebiet üblich war. Diese Tatsache weist auf einen regen, wirtschaftlichen Austausch – auch in früheren Zeiten – hin. Der Poststall Heimerl aus Tachau führte über Jahrzehnte die Auftragsfahrten durch.

Wirtschaftliche Verhältnisse

Ackerbau und Viehzucht wurden mit großer Sorgfalt betrieben. Jedoch reichten die Erträge nicht aus, die meist großen Familien zu ernähren. Es mußten andere Erwerbsquellen gesucht werden. Angebaut wurden alle Sorten von Sommergetreide, denn das Wintergetreide wuchs wegen der recht unterschiedlichen Witterungsbedingungen immer wieder aus. Früher wurde auch viel Flachs angebaut und daraus Leinen gefertigt. Fast in jedem Haus waren die nötigen Utensilien für die Flachsveredelung anzutreffen. Das Obst geriet einigermaßen gut. Erwerbspersonen waren als Landwirte bzw. Häusler, Holzhauer, Maurer, Zimmerleute, Holzfrächter und Fabrikarbeiter beschäftigt. Angestellte Personen gab es nur wenige. Die Mädchen und jungen Frauen arbeiteten oftmals als Saisonkräfte in den Kurorten Marienbad und Karlsbad oder waren in anderen Diensten tätig. Handwerklich gut ausgebildete Arbeiter fanden oft Beschäftigung in Eger, Bayern oder Sachsen. Sie waren oft lange Zeit von ihren Familien getrennt. Die Daheimgebliebenen leisteten oft das ganze Jahr über Heimarbeit, meistens aber in der Winterzeit. Früher wurden aus Perlmuscheln (u.a. vom Persischen Golf stammend) Perlmutterknöpfe abgedreht, und in manchen Haushalten waren mit Fuß betriebenen Drehbänke vorhanden. Die Knöpfe mußten erst gelocht werden und wurden meist von Frauen auf Karten aufgenäht (fassoniert). Das Fassen von Holzperlen in verschiedenen Größen zu Rosenkränzen und Gebetschnüren (für Moslems) war lange Zeit angesagt. Die Holzknöpfe mußten nach vorliegenden Mustern mit Nitrofarben bemalt werden und wurden an die Bekleidungsindustrie in alle Welt versandt. Zuletzt wurde auch Kunstharz (Galalith) für verschiedene Modeartikel verarbeitet. Litzen, Quasten, Tressen, Schirm – und Stockgriffe und Holzteller wurden aus verschiedenen Materialien gefertigt und an Fabrikanten in Tachau und Galtenhof ausgeliefert.

Kleinindustrie

Der Reichenbach, bei Hermannsreuth entspringend, kommt über die Reichenwiesen, Irlweiher nach Ringelberg und fließt zum Houma (Sorghof) weiter, wo er sich mit dem Paulusbrunnerbach vereinigt. Es kommt der Schönwalderbach dazu und der Bach wird zum Fluß Mies (Miesa). Durch das starke Gefälle, durchschnittlich 11 m je km, trieb er Mühlen, Polierwerke, Eisenhämmer und Glasfabriken an. Es existierte in Ringelberg für die damalige Zeit ein gar seltener Betrieb, die k.u.k. Schuh – und Stiefelleistenfabrik, HsNr. 92 (spätere Breinlfabrik). Dieser Betrieb wurde im Jahre 1866 von Karl Hösl aus Sachsen, Hüttenverwalter in Promenhof Bezirk Plan, gegründet und war im herrschaftlichen Besitz. Zwei Maschinen, sogenannte Kopierbänke der Firma Freitag aus Antonstal in Sachsen, waren aufgestellt, worin roh ausgeschnittene Leisten aus Rotbuche nach angelegten Mustern abgedreht wurden. Die Muster kamen aus aller Welt, meistens aus Wien, Paris, London und Istanbul (Konstantinopel). Die Fabrik verarbeitet jährlich etwa 500 – 600 Klafter (Quadratklafter = 3,59665 Quadratmeter) Buchenholz. Mindestens 30 Arbeiter fanden dort Beschäftigung, also Arbeit und Brot. Josef Bock aus Brand hat die Maschinen erheblich verbessert – wie es hieß – für die damalige Zeit ein genialer Erfinder. 1890 wurde die Fabrik von den Herren Schüffl und Altenöder aus Tachau, später von den Gebrüdern Träger aus Ringelberg gepachtet. 1927 brannte ein Teil der Fabrik ab; Anton Breinl aus Tachau kaufte sie und baute diese wieder auf. Er setzte dann zusätzlich eine Girardturbine ein und errichtete zusätzlich eine Stauwehr, um die Wasserkraft besser nutzen zu können. Die Fabrik war bis 1947 in Betrieb (Spravce Milacek). Im Jahre 1950 wurde die Anlage vollständig zerstört.

Ruhberghammer

Die zwei obrigkeitlichen Eisenhämmer wurden mit der Auflösung der Eisenhütte in Galtenhof stillgelegt und zu einem Polierwerk und Glasschleife umgebaut. Nachdem die Tachauer Herrschaft die Gebäude nicht mehr nutzten, erwarben die Herren Fenzel und Rauch den Besitz. Der Betrieb wurde um die Jahrhundertwende (1900) aufgelöst.

Neuhammer

Nach dem aufgelassenen Eisenhammer wurde ein Glaspolierwerk eingerichtet. Dort befand sich auch ein Gypsofen und es wurden Poliermittel und Pottasche für die Glasindustrie hergstellt. Der letzte Besitzer war Johann Kaßeckert aus Tachauer Brand, der eine Holz – und Perlmutterfertigung betrieb. 1937 ist die gesamte Anlage abgebrannt; sie wurde wegen der Kriegsereignisse nicht mehr wiederaufgebaut. Heute befindet sich in unmittelbarer Nähe im Sommer ein Zeltplatz für die Pfadfinderjugend.

Siewamühl

Der Betrieb befand sich ehedem in herrschaftlichem Besitz. 1896 erwarben die Gebrüder Friedl aus Galtenhof (Haselmühle) den Betrieb. 1935 ging die Anlage in die Hände von Josef Deglmann aus Tachau über. Dieser verkauften den Betrieb an die Herren Fritsch und Härtl aus Sorghof. Es wurde eine Holzdrechslerei daraus, wo schon damals Halbautomaten eingesetzt wurden. Zu Zeiten des Mühlenbetriebs (etwa bis 1890) wurde im Nebenhaus Nr 91 (zuletzt Mirlseff) eine Bäckerei betrieben. Die Anlage wurde um 1950 zerstört.

Ascherlwerk

Ein Teil von Ringelberg (Wallerhäuser und Häuser) wurde von dort mit Lichtstrom (Gleichstrom) versorgt. Zu einem Polierwerk umgebaut, wurde es später ein Sägewerk. Zuletzt wurde eine Holzwaren – und Perlmutterfabrik daraus. Der letzte Besitzer war Karl Junghans aus Sorghof. Das Werk wurde total zerstört.

Schule

Bereits aus dem Jahre 1793 wird berichtet, daß ein gewisser Kaspar Voit aus Neuhäusel bei Roßhaupt in Ringelberg als Wanderlehrer tätig war. Man weiß heute, daß die Lehrer damals von Haus zu Haus zogen und dort Kost und Herberge erhielten. Kaiserin Maria Theresia erließ im Jahre 1774 eine „Allgemeine Schulordnung“, mit welcher Trivialschulen, d.h. untere Schulen (später Volksschulen genannt), in der Monarchie eingerichtet wurden. Mit dem Schulgesetz des Kaiser Franz Josef I vom 14.08.1869 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Das Schulgebäude in Ringelberg wurde 1881 errichtet. Die Volksschule führte seit 1883 zwei Klassen. Ein großer Turnsaal und ein gut ausgestattetes Lehrmittel – Zimmer mit einer Bücherei waren vorhanden. 1885 wurde direkt am Gebäude eine Baumschule angelegt. Im Jahre 1890 besuchten 139 Kinder diese Schule. Es gab einen Ortschulrat, der die Lehrer kräftig unterstützte. Vorher war die Schule im Hause Nr. 89 (Hansvei(t)n untergebracht, wo ein entsprechend großer Raum vorhanden war. Dieses Gebäude wurde nachher umgebaut und privat genutzt.

Lehrpersonal

Als Schulleiter war um 1880 ein gewisser Melzer oder Stelzner tätig. Johann Dorschner und Lehrer Wimmer folgten als Oberlehrer. Zuletzt war Ernst Schneider, der 1945 in den Ruhestand treten sollte, als solcher bestellt. Schneider starb Ende 1946 – kurz nach seiner Vertreibung – in Gröningen, Kreis Oschersleben, Bode, Land Sachsen – Anhalt. Als Lehrer waren im Laufe der Zeit (etwa ab 1920) eingesetzt:

Karl Kugler, Tachau, Josef Schnabel, Galtenhof, Ludwig Walch, Tachau, Josef Träger, Hals, Erika Radl, Tachauer Brand, Hermann Brunner, Mauthdorf, Ernst Grüner, Altzedlisch, Hans Lenz, Heiligen bei Tachau, Franz Stadler, Tachauer Brand, Maria Kroha, Sorghof, Richard Maschauer; Neuzedlisch, Wilhelmine Scharnagel, geb. Grünbaum, Galtenhof, Anna Wickl, verh. Werner; Tachau, Margarete Scharnagl, Planer Brand, Fräulein Marx, Eger, Anna Reb. Als Handarbeitslehrerinnen waren Frau Judas, geb. Paptscheck, Thiergarten und Frau Kraft, Tachau tätig. Als Religionslehrer wirkte Pfarrer Franz Thomas aus Hals.

Kirche

Ringelberg war bis 1787 nach Tachau eingepfarrt. Kaiser Josef II ordnete mit Dekret vom 15.02.1787 an, daß eine Pfarre in Ringelberg errichtet werden sollte. Am 10.05.1787 wurde der Exbenediktiner Pater Gabriel Ritter aus Kladrau zum Pfarrherrn bestellt. Nachdem kein geeignetes Gebäude vorhanden war, wurde der Gottesdienst in einer Scheune abgehalten. Wohnung sollte er zunächst beim „Gacha Schiffl“, HsNr. 35, nehmen, was sich aber als unpraktikabel erwiesen hat. Er nahm mit den ebenfalls neubestellten Pfarrer vom Tachauer Brand Wohnung beim Hammer – und Nagelschmied in Sorghof Quartier. Die Meßgewänder und kleines Kirchengerät kamen vom damals geschlossenen Paulanerkloster aus Heiligen bei Tachau. Da jedoch mehrere Orte, welche zur Dechantei Tachau gehörten, von dort nicht ausgepfarrt werden wollten, erhoben diese Einspruch bei der Regierung gegen dieses Vorhaben. Es handelte sich dabei um Frauenreith, Stiebenreith, Pirkau und Stockau. Der Besitzer der Herrschaft Tachau, Graf Nikolaus von Windisch – Grätz, schritt ein und ordnete an, daß die Kirche auf seinem „Allod“ = Besitz in Ringelberg errichtet werden soll, nämlich am Schusterberg, einer weithin sichtbaren Anhöhe in der Umgebung.

Wegen der im Zusammenhang mit dem Napolionischen Krieg stehenden Ereignisse, stellte die Regierung den Bau ein und das bereits gelagerte Material (Holz und andere Baumaterialien) wurde anderwärtig verwendet. 1799 bot der Halser Grundherr, Edler von Wunderbaldinger an, die Kirche auf seine Kosten in Hals erbauen zu lassen. Er erreichte damit die Verlegung der Pfarre Ringelberg nach Hals. 1801 war dort der Kirchenbau abgeschlossen (zunächst ohne Turm) und der Ringelberger Pfarrer zog mit seinem Kaplan am 04.10. d.J. nach Hals um. Am 15.10.1801 wurde dort die neue Kirche benefiziert. Das Einzugsgebiet reichte damals bis zum Baderwinkel und nach Hermannsreuth an der kurpfälzischem Grenze. Sorghof, Thiergarten und Ringelberg besaßen bis dato einen eigenen Friedhof am nördlichen Teil des Hammelbergs (beim Kreuzwirthaus, Gemeinde Sorghof), wo bis dahin auch die Mönche vom Heiligenkloster ihre Ruhestätte fanden. Die letzten Pfarrherren waren Franz Thomas, geb. 1882 im Rheinland, welcher in Hals am 06.12.1943 verstorben ist. Er war Konsistorialrat und bischöflicher Notar. Als Heilpraktiker, Pendelpfarrer und Wünschelrutengänger war er weit im Umland bekannt und er half den Armen der Gegend uneigennützig in jeder Situation. Er kam als Kaplan am 01.09.1913 aus Neuhäusel bei Roßhaupt nach Hals; somit wirkte er 30 Jahre als Pfarrer vor Ort. Sein Nachfolger wurde Alois Meyerl aus Tachau, der vorher Pfarrer in Bad Königswart war. Er hielt im Krieg verbotenerweise eine Fronleichnamsprozession ab und wurde deshalb verhaftet und kam in das KZ nach Dachau bei München. Pfarrer Meyerl stellte allen Angehörigen seiner Pfarrei vor der Vertreibung einen kostenlosen Geburtsschein aus, damit die Vertriebenen sich legitimieren konnten. Bekanntlich nahmen bei uns die Pfarrämter anstelle der Standesämter bis etwa 1940 die Beurkundungen der Geburten wahr.

Daten und Ereignisse

1764 – 1767

Die Landaufnahme in Böhmen wird auf Anordnung der kaiserlichen Regierung in Wien durchgeführt.

1770

Die Hausnumerierung wird eingeführt. Die Nummer 1 des Ortes war aber nicht das zuerst erstellte Gebäude im Ort. In Ringelberg hat man das Dorf um den Schusterberg herum im Uhrzeigersinn erfaßt.

1774

Die Grenzregulierung zur Kurpfalz wird festgelegt. Die Grenzsteine erhielten die Bezeichnung: HP = Herzogtum Kurpfalz, KB = Königreich Böhmen. Die Grenze wurde bis dato nicht verändert.

1784

Eine einheitliche Matrikenführung wird im Königreich Böhmen verordnet.

1787

Kaiser Josef II ordnete mit Dekret vom 15.02. die Gründung der Pfarrei Ringelberg an.

1794

Einige Siedler scheiden irrtümlich aus der Dominikale aus und kommen zur Rustikale.

1808

Fürst Alfred I von Windisch – Grätz gibt Waldgründe zum Kauf frei.

1823

Auswanderung von jungen Leuten nach österreichisch Galizien (heute Ukraine) nach Machlinice und Felizenthal.

1848

Die Waldhäusler erhalten den Hausbesitz zum Eigentum (Grundentlastungsgesetz).

1849

Die Gründung der Gemeinden, später politische Gemeinden bezeichnet, wurde angeordnet. Sie waren nicht mehr dem Grundherrn oder der Kirche unterstellt und erlangten eine gewisse Selbständigkeit.

1850

Eingliederung in den Kreis Eger (vorher Pilsen) = Westböhmischer Kreis.

1865

Vom 15.05. an fährt werktäglich ein Postwagen von Tachau nach Bärnau. Er berührt Ringelberg. Er beförderte auch Personen, soweit Platz war.

1873

Vom 01.04. an erscheint die Wochenzeitung „ Der Grenzbote“, später „Der Westböhmische Grenzbote“. Herausgeber war Heinrich Swoboda, Bürgermeister der Stadt Tachau und Reichsratsabgeordneter in Wien. Josef Löffler zeichnete verantwortlich für die Redaktion. Gedruckt wird das Blatt in Marienbad bei Josef Gschilay. Das Erscheinen wird 1918 eingestellt. Aufzufinden sind die Nummern in der Österreichischen Nationalbibliothek zu Wien (früher k. u. k. Hofbibiothek).

Am 03.02. wird die gewerbliche Fachschule für die Holzindustrie in Tachau eröffnet; zum Leiter wird Alfred Klaus bestellt. Später wird die Schule „k. u. k. Fachschule für Drechslerei“ genannt.

1879

Die Verhandlungen wegen des Bahnbaues von Nürnberg bzw. Plan über Tachau nach Weiden i.d. Oberpfalz zerschlagen sich.

1880

Am 06.05 gab es eine Protestversammlung im Vereinshaus zu Tachau gegen die Sprachenverordnung in Böhmen.

1885

Am 03.06. ging über Ringelberg ein gewaltiger Wolkenbruch nieder, der große Schäden anrichtete.

1886

Die Gegensätze mit der Regierung des Grafen Taffee wurden immer bedeutender. Taffee lehnte alle Vorschläge der deutschen in Böhmen ab (Sprachenverordnung). Es kommt in ganz Westböhmen zu Protestdemonstrationen gegen diese Verordnung.

1888

Im Vereinshaus zu Tachau spricht ein Dr. Schücker aus Eger zu den Versammelten wegen des Sprachenstreits.

1889

Graf Taffee ist nunmehr zu einem Ausgleich im Sprachenstreit bereit. Zeitungen berichten, daß von 15 Staatsanwälten in Böhmen nur 1 Deutscher ist.

1890

Fürst Alfred III von Windisch – Grätz hält im Landtag zu Prag eine bedeutende Rede und spricht sich für einen Ausgleich im Sprachenstreit aus.

1891

Bürgermeister Heinrich Swoboda wird erneut zur Reichsratsabgeordneten gewählt.

1892

Am 01.07. wird die Kronenwährung eingeführt. Die Gulden und Kreuzer werden zurückgezogen.

1893

Am 18.11. wird Fürst Alfred III von Windisch – Grätz zum Ministerpräsidenten der Österr. – Ungarischen Monarchie gewählt. In Tachau gab es deswegen eine große Feier.

1894

Am 11.05. wird in Ringelberg während eines schweren Gewitters ein Bub vom Blitz getötet, 5 weitere Kinder wurden verletzt.

In Tachau wird die gesetzliche Sonntagsruhe ab drei Uhr nachmittags eingeführt.

Am 01.12. wird eine Fahrpost nach Hals eingeführt. Ringelberg gehört von diesem Zeitpunkt an zum Postbereich in Hals.

1895

Die Lokalbahn Tachau Plan bei Marienbad (13,5 km lang) wird eröffnet und bringt den Anschluß an das gut ausgebaute Verkehrsnetz in Böhmen.

1897

Die Errichtung einer Tabakfabrik in Tachau wurde vom Kaiser Franz Josef I. genehmigt.

1898

Am 09.08. gab es in Ringelberg ein Großfeuer, welches von einem jugendlichen Knaben verursacht wurde. 4 Wohngebäude samt den Nebengebäuden und die Erntevorräte wurden vernichtet.

1905

Am 28.08. kommt hoher Besuch nach Tachau. Der König von England kam auf Ersuchen vom Fürsten Windisch – Grätz für kurze Zeit in die Stadt. Es waren 600 Jahre vergangen, seit das letzte gekrönte Haupt die Stadt besuchte. Es war Kaiser Karl IV., der öfter auf sein königliches Gut kam.

Am 01.11. kam Stiebenreith auf Beschluß des Böhmischen Landtages zum Gerichtsbezirk Tachau (vorher Plan bei Marienbad)

1909

Der Fabrikant Anton Schüffl starb im 74. Lebensjahr. Schüffl und Altenöder hatten die Schuhleistenfabrik in Ringelberg betrieben. Auch der Bürgermeister von Tachau, Heinrich Swoboda, stirbt am 23.02. im 74. Lebensjahr. Er stand 36 Jahre an der Spitze der Stadt. Sein erbittertster Gegner im Wiener Reichsrat, Dr. Karl Lueger, stirbt 3 Wochen später.

1913

Dr. Franz Guschall wird Bezirkshauptmann von Tachau. Sein Vorgänger Josef Schröpfer wird nach Prag versetzt. Guschall war bis 1932, Dr. Marschik bis 1936, Dr. Bartos bis 1938 Bezirkshauptmann (letztere waren Tschechen). Ab November 1938 wird Freiherr Hermann Fink von Staffelstein, ab 1939 Dr. Schrötter Landrat vom Kreis Tachau.

1914

Am 04.07. gab es eine eindrucksvolle Trauerkundgebung zu Ehren des in Sarajewo ermordeten Thronfolgerpaares. Am 27.07. werden die zum Kriegsdienst einberufenen Soldaten mit einer Feldmesse zu Tachau verabschiedet. Der 1. Weltkrieg begannt. Eine Kriegsbegeisterung herrschte bei uns nicht (im Gegensatz zum Deutschen Reich).

Bereits am 24.09. trafen die ersten Verwundeten ein; sie wurden im Sommerschloß der Fürstenfamilie in Heiligen bei Tachau untergebracht.

Am 14.11. treffen die ersten Kriegsflüchtlinge aus österreichisch Galizien ein; diese wurden auf die Stadt Tachau und die nähere Umgebung verteilt. Es waren etwa 1.000 Personen

1915

Am 11.04. wurde als 1. Rationierung die Brotkarte eingeführt. Die Wochenration betrug pro Person 1960 g Brot und 1400 g Mehl.

Am 29.05. werden die 18jährigen sowie die 43 – 45jährigen zur Musterung aufgerufen.

Es setzt eine Teuerung ein. Mehl, Grieß, Graupen, Reis und Kartoffeln stiegen im Preis an.

Am 23.05. erklärt Italien der Monarchie den Krieg. Eine fette Beute (Südtirol) bekam es von der Entente versprochen.

Die Regierung ordnete 3 fleischlose Tage in der Woche an: Es waren der Montag, der Mittwoch und der Freitag.

1916

Am 02.04. wird die Zuckerkarte eingeführt. Es gab 1 kg pro Person und Monat. Fett ist kaum noch zu haben. Täglich wird ein viertel Liter Milch zugeteilt. Man bekam aber das Quantum nicht immer.

Am 28.08. erklärt Rumänien der Österr. – Ungarischen Monarchie den Krieg.

Die Ernte wird vom Staat beschlagnahmt. Kommissionen betreten zur Überprüfung die Gehöfte.

Am 16.11. stirbt Kaiser Franz Josef I. in Wien. Sein Neffe Karl I. wird sein Nachfolger. Er war mit Zita aus dem Hause Bourbon – Parma verheiratet.

Sehr früh setzt ein kalter Winter ein. Das Heizmaterial wird knapp, und auch die Versorgung mit Lebensmitteln wird immer schlechter. Hamsterer aus unterversorgten Gebieten finden sich ein.

1917

Am 18. März erfolgt die Musterung der 18 jährigen = Jahrgang 1899. Wegen der andauernden großen Kälte beginnt erst Ende April die Feldarbeit. Da die Arbeiter fehlen, müssen Soldaten sie ersetzen. Das Wetter war bis Mitte Mai günstig, dann setzte eine große Trockenheit ein, die bis Oktober andauerte, was sich ungünstig auf die Versorgung auswirkte.

1918

Die Brot- und Mehlzuteilungen werden immer geringer und unregelmäßiger. Die sogenannte asiatische Grippe forderte viele Opfer. Auch Ringelberg ist davon stark betroffen. Die Lebensmittelknappheit wird immer gravierender. Hamsterer – vor allem aus dem Erzgebirge – suchen unsere Gegend heim. In den tschechischen Landesteilen Böhmens wurde die Rationierung der Lebensmittel großzügiger gehandhabt (genau wie im 2. Weltkrieg). Präsident Wilson (USA) verkündet seine Grundsätze für den allgemeinen Weltfrieden (14 Punkte). Der Punkt 10 behandelt die autonome Entwicklung der Völker Österreich – Ungarns. Am 28.10. wird die Tschecho – Slowakische Republik ausgerufen. Die Deutschen werden nicht gefragt, ob sie diesem Staat angehören wollen.

29.10.

Deutsch – Böhmen erklärt sich im Rahmen des Staates Deutsch – Österreich für selbständig. Die Hauptstadt wird Reichenberg. Als Landeshauptmann wird Rafael Pacher berufen.

03.11.

Österreich – Ungarn kapituliert.

11.11.

Kaiser Karl I. verzichtet auf den Thron, bleibt aber noch zunächst König von Ungarn.

13.11.

Es erfolgt die Anschlußerklärung der Deutschen aus Böhmen und Mähren an Deutsch – Österreich, welches am Vortag gegründet wurde.

In der Ausgabe vom gleichen Tage (letzte Nummer) stellte die Lokalredaktion des „Westböhmischen Grenzboten“ fest:

„Die Adler sind nun auch alle von den Amtsgebäuden fortgeflogen bzw. abgenommen worden. Wohl manchen beschleicht ein wehmütiges Gefühl beim Anblick der kahlen Stellen, wo seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten, der stolze österreichische Adler prangte. Gebe Gott, daß nun bald ruhige Zeiten kommen und der Menschheit ein neues, glückliches Leben

beschieden sei“.

Ein frommer Wunsch, der leider nicht in Erfüllung ging.

28.12.

Die Prager Deutsche Zeitung „Bohämia“ berichtet, daß am 20.12. eine Abteilung tschechischer Truppen nach Tachau kam, um die Besetzung der Stadt und des Bezirks vorzunehmen. Das tschechische Militär entwaffnete die kurz vorher gebildete deutsche Volkswehr und der Bürgermeister erließ eine Kundmachung, in welcher die Bevölkerung aufgefordert wurde, Ruhe und Ordnung zu bewahren. Fast alle anderen deutschbesiedelten Orte wurden von den Tschechen bereits früher annektiert.

Bereits im Dezember 1918 kamen etwa 20 Legionäre der in Rußland kämpfende Tschechen – die allerdings meist zu den Russen übergelaufen waren – nach Galtenhof und belegten in der Zünderermühle Quartier. Unter ihnen befand sich auch ein sogenannter „Reichsdeutscher“ namens Heider. Die Neuankömmlinge lösten die bisherigen Zöllner an der Staastgrenze ab (bei uns Finanzer genannt). Auch tschechische Gendarmen kamen nach Hals und übernahmen die „Macht“ in Staate, wie sie es nannten. Die Bezirksverwaltung in Tachau (Landratsamt) wurde ebenfalls übernommen, wenn auch der letzte Bezirkshauptmann Dr. Franz Guschall auf seinem Posten verbleiben konnte. Ein verläßlicher Tscheche wurde als Aufpasser an seine Seite gestellt. Die sogenannte „Säuberung“ in den anderen Ämtern wurde so nach und nach durchgeführt. Es wurden für die Beamten perfekte Tschechischkenntnisse verlangt. Die Tschechen selber brauchten keine Kenntnisse der deutschen Sprache nachweisen.

Am 10.09.1919 erfolgte der Friedensschluß der Alliierten mit Österreich (der Name Deutsch – Österreich wurde ausdrücklich verboten) in Saint Germain – en Laye (ein Vorort von Paris). Das sogenannte „Sudetenland“ kommt entgegen den Willen der Bevölkerung endgültig zur Tschecho – Slowakischen“ Repubik. Die USA unterzeichneten zunächst den Friedensvertrag nicht (u.a. auch wegen der Nichtbeachtung des Selbstbestimmungsrechtes der Deutschen in der CSR).

In Tachau wird eine ständige Garnison errichtet. Ein Bataillon des 18. Pilsener Infanterie – Regiments wird stationiert.

1920

Teilenteignung der Tachauer Herrschaft von Windisch – Grätz. Das Ringelberger Revier ist davon nicht betroffen.

1923

Baubeginn der Hochdruckwasserleitung für die Stadt Tachau im Ringelberger Revier durch die Firma Bill und Co aus Reichenberg / Teplitz – Schönau. 12 Quellen werden gefaßt, 1 Entsäuerungsanlage installiert. Die Wasserleitung verläuft über dem Ringelberger Ortsteil Jägerhäuser an Hals vorbei in Richtung Stiebenreith zum Hochbehälter am Galgenberg bei Tachau. Das Fürstenhaus hat kostenlos auf ihre Wasserrechte verzichtet.

Das neue Zollgebäude an der Grenze zu Bayern wird an den Schanzhäusern von Paulusbrunn errichtet. Es ist eine kleine Kaserne.

1926

Am 01.07. wird eine Invalidenversicherung in der CSR eingerichtet. Die Zentrale ist in Prag – Smichow (ZSVA). In Deutschland gab es eine solche bereits seit 1881.

1927

Am 23.11. stirbt Fürst Alfred III. v. Windisch – Grätz in Tachau. Er wird nach Kladrau überführt.

1929

Beginn der Weltwirtschaftskrise; es gibt immer mehr Arbeitslose. Am meisten sind die Deutschen in der CSR betroffen, was vom csl Staat nachweislich gewollt war.

1931

In den Ortsteilen Wallerhäuser und Häuser wird elektrisches Licht installiert. Die Initiative wird vom Gemeinderat und stellv. Ortsvorsteher Franz Frankenberger (Adl), HsNr. 6, ergriffen. Die Arbeiten werden von der Firma Scharnagel aus Pirkau Bez. Tachau ausgeführt. Es handelte sich um Gleichstrom.

1935

Erzbischof Karl Kaspar aus Prag spendet die hl. Firmung in Hals. Kaspar starb im Jahre 1942 und das Bistum war bis 1946 nicht ordentlich besetzt. Es war die letzte Firmung in Hals.

Kardinal Beran folgt, der als Oberhirte der Erzdiözöse Prag unsere Vertreibung nach einer Meldung der Zürcher Zeitung die „Tat“ gebilligt hat. Er wurde später von den Kommunisten auch vertrieben und starb im Exil.

Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges wurde feierlich eingeweiht. Ringelberg hatte eines der schönsten Denkmäler im Bezirk errichtet. 33 Gefallene hatte der Ort aufzuweisen; ein hoher Prozentsatz an Bevölkerung.

Gräfin Aglaie Apponyi von Nagy zu Palfa, Ungarn, eine Erbin von Fürst Alfred III. von Windisch – Grätz, verkaufte den größten Teil des Ringelberger Reviers an den Pilsener Fabrikanten Rudolf Semmler, Staatsbürger der USA. Dieser verließ bereits im Frühjahr 1938 (vor der Sudetenkrise) seinen Besitz und ging in die Staaten zurück.

1937

Die freiwillige Feuerwehr erhält eine bewegliche Motorspritze der Fa. Czermak aus Teplitz – Schönau. Die angebotene Spritze der Fa. Fladerer aus dem Ostsudeten entsprach nicht den gewollten Anforderung. Ein Spritzenhaus und ein Schlauchtrockenturm wurde auf der „Hout“ im Ortsteil Häuser errichtet.

1938

Die sogenannte Sudetenkrise zeichnet sich ab. Im März d.J. lösen sich die bürgerlichen Parteien Bund der Landwirte (BdL) und die christlich – soziale Partei (CsP) auf und schließen sich der Sudetendeutschen Partei (SdP) an, nachdem letztere einen großen Wahlsieg bei der Gemeinderatswahl errungen hatte. Auch wurden die Repressionen der csl Regierung gegenüber den Deutschen erheblich erhöht. Bereits am 21. Mai führte die csl Regierung auf Veranlassung von Präsident Edvard Benes eine Teilmobilmachung ein. Der größte Teil der Sudetendeutschen Wehrpflichtigen folgte der Einberufung. Verhältnismäßig große Truppenteile der tschechischen Armee tauchten im Grenzgebiet auf. Die Staatspolizei (politische Polizei) kam ebenfalls ins Grenzgebiet und schikanierte die Bevölkerung. Im „Altreich“ arbeiteten viele Deutsche und verdienten dort ein gutes Geld, weil die RM hoch im Kurs stand. 1 RM = 10 Kc. Man verdienten als gewöhnlicher Arbeiter mehr als ein Akademiker in der CSR. Die Krise treibt so nach und nach dem Höhepunkt zu. Am 13.09. schoß tschechisches Militär ohne Vorwarnung in eine angemeldete friedliche Demonstration der Sudetendeutschen in Tachau. Es gab dort 2 Tote und mehrere Verwundete. Dr. Kraus aus Tachau, der als Rote Kreuz Helfer gekennzeichnet war, wurde während der Hilfeleistung angeschossen. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus Eger an seinen Verletzungen. Am 16.09. wurde die Sudetendeutsche Partei unter der Führung von Konrad Henlein (er war Turnlehrer) verboten.

Ihre Amtswalter wurden verhaftet und in Internierungslager bei Pilsen verbracht. Am 23.09. wurde die csl Armee mobilisiert. Nun flohen sehr viele Sudetendeutsche ins „Altreich“ um nicht im Ernstfall auf deutsche Wehrmachtssoldaten zu schießen. Im „Altreich“ wurde ein sudetendeutsches Freikorps gebildet. Am 28.09. fuhren 2 tschechische Panzer (alte Typen aus französischen Beständen) an die Grenze von Paulusbrunn vor und griffen in Richtung Grenzlandturm bei Bärnau die in Stellung gegangenen Einheiten des Freikorps an. Die Panzer mußten das Gefecht abbrechen, weil ihnen der Sprit ausgegangen ist. Deutsche Grenzer brachten Benzin, damit diese wieder nach Tachau zurückfahren konnten. An den Bachhäusern der Gemeinde Thiergarten blieb eines der Ungetüme liegen und mußte abgeschleppt werden. Die Tachauer Kaserne wurde auf Regimentsstärke vergrößert und auch an der Grenze gingen tschechische Soldaten in Stellung. In Galtenhof wurden u.a. im Gasthof „Armann“ das Militär untergebracht. Die Zivilbevölkerung war sehr beunruhigt. Radios mußten abgegeben werden, damit der Reichsdeutsche Rundfunk nicht abgehört werden konnte.

Auch willkürliche Verhaftungen wurden durchgeführt. Sudetendeutsche, die beispielsweise weiße Strümpfe trugen, wurden von der Staatspolizei verprügelt. Die Krise spitzt sich immer mehr zu bzw. hatte den Höhepunkt erreicht.

Am 29.09. wurde das sogenannte Münchner Abkommen von den Signatarmächten Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien unterzeichnet. Darin wurde die Abtrennung der sudetendeutschen Gebiete von der CSR beschlossen. Einer Abtretung hatten die Tschechen im geheimem bereits vorher zugestimmt (Necas). Im diesem Abkommen wurde festgelegt, daß zwischen dem 01. Und 10. Oktober die abgetretene Gebiete von der Deutschen Wehrmacht besetzt werden. Alle tschechischen Beamte (Finanzer = Zoll, Gendarmen und Bezirksbeamte) wurden von der csl Regierung zurückberufen; sie wurden nicht vertrieben, wie heute behauptet wird. Alle konnten ihr Mobilar und anderes Eigentum mitnehmen. 98 % dieser Bediensteten waren Tschechen oder Slowaken. Auch das csl Militär aus Galtenhof zog unbehelligt ab. Zu Ausschreitungen kam es in unserer Gegend nicht, denn fast alle waren froh, die Tschechen – wie sie meinten – endlich los zu sein. Auch die jüdischen Mitbürger verließen das abzutretende Gebiet, weil sie wußten, was ihnen bevorstand. Die Nürnberger Rassengesetze waren ja bekanntlich schon in Kraft. Auch Rudolf Adler aus Galtenhof war bereits im Frühjahr 1938 nach England verzogen und konnte deshalb einen Teil seiner Maschinen über Hamburg ausführen. Etwa 150.000 csl Bürger und 20.000 Sudetendeutsche (meist Sozialdemokraten und Kommunisten) flohen in das spätere sogenannte „Protektorat“. Die deutschen Antifaschisten wurde später an das Deutsche Reich ausgeliefert, viele davon kamen in ein Konzentrationslager. Die Tschechen kannte keine Gnade, was Deutsche betraf. Sie haben ihr Eintreten der Antifas für den Erhalt des csl Staates schlecht belohnt.

Der Anschluß an das „Altreich“

Am 03.10. 1938 gegen 12 Uhr kommt es an der Landesgrenze bei Waldheim in der Nähe von Neulosimthal mit einem tschechischen General aus Pilsen (er war der Kommandeur des westböhmischen Wehrbezirks, ein berühmter Deutschenhasser; hatte die sudetendeutschen Soldaten – die der Mobilisierung Folge leisteten – bei Pilsen aus der csl Armee ausgesondert und internieren lassen; in einer Art KZ !) , zu einer bewegenden Szene. Auf deutscher Seite war der General der Artillerie von Reichenau (Abschnittskommandant) anwesend. „Ich übergebe ihnen das Land. Es ist die schwerste Stunde meines Lebens“ sagte er und bat um eine Eskorte, weil er Angriffe der Sudetendeutschen befürchtete, was aber nicht geschah. Man war froh, die Tschechen los zu sein und hatte bereits eine Hilfspolizeitruppe aufgestellt, die für Ordnung sorgte.

Gegen 15 Uhr treffen die ersten nachziehenden Truppen der Deutschen Wehrmacht aus Bärnau, Oberpfalz in Ringelberg ein und ziehen auf der Bezirksstraße nach Tachau weiter. Es waren Einheiten der 2. Ostpreusischen Division unter Generalleutnant Förster. Die gesamte Bevölkerung – auch die Antifaschisten – war anwesend (letztere möglicherweise gezwungen). Die offizielle Begrüßung erfolgte beim Wallerhansnkaufmann (an der Kurve der Forststraße zum Haselteich). In Ringelberg wird ein Zug des 24. Stolper Artillerie – Regiments (Pommern) einquartiert, der den Ort nach etwa 2 Wochen wieder verließ. Die Einheiten zogen sich vertragsgemäß in das Altreich zurück. Bemerkenswert war, daß der Zugführer, ein Oberleutnant ,sich damals wunderte, daß wir so gut Deutsch sprechen. Obwohl im Reichsgebiet überall von der Befreiung der Sudetendeutschen gesprochen wurde, war ein Abiturient aus Preußen nicht in der Lage, die seit Jahrhunderten bestehenden Gegebenheiten richtig zu deuten. Die Reichsmark wurde eingeführt. Der Umtauschkurs betrug damals 1 RM = 12 Kc, 100 Kc = 8,33 RM. Man hatte den vorher gültigen Kurs zu unseren Gunsten geändert.

1939

Am 17.05. wurde eine Volkszählung durchgeführt. Es waren 513 Personen in Ringelberg angemeldet. Die auswärts befindlichen Personen wurden damals nicht am ständigen Wohnort nicht erfaßt (es waren schon viele zur Wehrmacht eingezogen). Interessant ist, daß im „Sudetengau“ ( wie das Gebiet von sofort an genannt wurde) fast 350.000 Tschechen und Slowaken verblieben sind. Ihnen geschah nichts, was heute wohlweislich verschwiegen wird. Am 01.September begann der 2. Weltkrieg. Über Einzelheiten wird anderenorts berichtet.

Im Oktober werden Lebensmittelkarten eingeführt. Die Rationierung begann.

1940

Wie in Deutschland üblich, wurden die Standesämter eingeführt. Ehen mußten dort vor der kirchlichen Trauung geschlossen werden.

1942

Im Herbst wurde bei Schulbeginn die Lateinische Schrift wieder eingeführt. Vorher mußte man „Kurrent“ ( deutsche Schrift nach Sütterlin) anwenden. Schulbeginn war bei uns weiterhin im September, Schulende im Juli jeden Jahres (entgegen der Regelung im übrigen Reich). Mit Beginn des Rußlandfeldzuges stieg die Zahl der Gefallenen stark an; auch gab es viele Kriegsverletzte. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Ausklang

Ende des Jahres 1944 trafen bereits die ersten Flüchtlinge aus der Slowakei und Rumänien ein. Im Frühjahr 1945 auch aus Schlesien und Ostpreußen. Die Schule mußte geschlossen werden und fast alle Haushalte mußten Flüchtlinge aufnehmen. Im April 1945 stürzte nach einem Luftkampf ein deutsches Jagdflugzeug beim HsNr. 81 (Rauchahäusl) ab und verbrannte. Der Pilot, ein Offizier aus Wien, wurde tot geborgen. Bomberverbände flogen in großer Zahl über das Reichsgebiet ein und brachten Tot und Verderben. Im Februar wurde auch Tachau bombardiert; der Krieg hatte unsere nähere Heimat erreicht. Am 05. Mai besetzen amerikanische Panzer von Hermannsreuth über Galtenhof kommend unseren Ort und ziehen nach Hals weiter.

Die in Gefechtsordnung nachrückende Infanterie macht nur kurz Halt und nimmt den gleichen Weg, wie die Panzer ( es handelt sich um Truppen der 3. US Army unter Führung von General Patton). Die Gemeindekanzlei im Haus Nr. 12 (Gleißner – Krawaschn) wird gewaltsam geöffnet; es wurde nach dem Bürgermeister und nach anderen Amtsträgern gefragt, die allerdings nicht anwesend waren. Auf den Feldern des Halser Gutes, zwischen den Straße von Hals nach Ringelberg, Hals nach Frauenreith und dem Feld – (Hohl) Weg vom Ortsteil Weinberg (Ringelberg) und Frauenreith, errichteten die Amerikaner ein großes Feldlager mit einem kleinen Feldflugplatz und lagerten dort viel Kriegsmaterial. Zur gleichen Zeit brach in Prag ein Aufstand aus, der vielen Deutschen das Leben kostete. Die Tschechen haben wieder einmal in die aktiven Kämpfe eingegriffen, als sie sicher waren, daß sie zu den Siegern gehören. 31 Ringelberger waren gefallen, das sind 6 % der Gesamtbevölkerung (ein sehr hoher Anteil an der Einwohnerzahl), in der Nachbargemeinde Hals über 80 Kriegstote, das sind 11 % der Bevölkerung. Die Lebensumstände werden immer schwieriger. Im Juli tauchten die ersten Tschechen (Zöllner, Grenztruppen) in Galtenhof auf; im Juli Gendarmen in Hals. Ein Teil der Ankömmlinge waren bereits vor 1938 hier stationiert (z.B. der tschechische Zolleinnehmer aus Paulusbrunn; ihm wurde der „Swoboda – Gardist“ Prosch beigegeben, u.a.m.). Auch der „ Mistni narodi vibor“ = Ortsgemeindevorsteher namens Prohaska , ein fanatischer Nationaltscheche, fand sich ein und übernimmt die Geschicke der Gemeinde. Später betrieb er ein Fuhrgeschäft in Neulosimtal; was seine eigentliche Profession war. Fahräder, Radios, Musikinstrumente, Schmuck usw. mußten abgegeben werden. Alle Deutschen mußten weiße Armbinden tragen. Eine totale Ausgangssperre ab 20 Uhr wurde angeordnet. Die Schikanen häuften sich zusehends. Die sogenannte „Judenkarte“ für Lebensmittel wurde eingeführt.

Besonders im negativen Sinne haben sich der Stabswachtmeister der Gendarmerie Karel Staach, der Oberwachtmeister Vlassak und seine Ehefrau und der Wachtmeister Cerny hervorgetan. Sie verprügelten die Menschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Auch der Finanzkommissar Vaclav Kucera aus Schüttenhofen in Südböhmen hat eine traurige Berühmtheit erlangt. Die meisten den Übeltäter stammten aus dem Bezirk Klattau (es war der Patenbezirk für die Wiederbesiedelung des angeblich uralten tschechischen Gebietes gewesen). Batterer, Stettiner, Honsolka und Gelenek waren ebenfalls gefürchtet. Aber solange noch die US – Amerikaner anwesend waren, blieb es noch erträglich. Am 01.12. 45 zogen sich die Amerikaner aus der CSR vertragsgemäß zurück, wodurch sich die Lage noch wesentlich verschlechterte. Aber auch von diesen konnte man nicht immer Hilfe erwarten. So erklärte der Gouverneur in Tachau, Captain Alfred D. Hoveye aus Springfeld, USA, daß die Amerikaner gekommen sind, um den Tschechen Hilfe zu leisten (eine Frau aus Tachau wandte sich an ihn, um Unterstützung gegen eine willkürliche Maßnahme eines Tschechen ihr gegenüber zu erhalten). Einige Personen verließen mit Unterstützung der US – Soldaten ihre Heimat, andere zogen die Flucht über die nahe Grenze nach Bayern vor. Angehörige der NSDAP und ihrer Gliederungen wurde verhaftet und in das Internierungslager in Tachau (in Wirklichkeit ein KZ) und nach Pilsen am „Bory“ (ein bekanntes Staatsgefängnis) gebracht; sie mußten wüste Tätlichkeiten über sich ergehen lassen. Viele Deutsche (auch Reichsdeutsche) fanden dort den Tod; unser früherer Heger Weidl wurde dort buchstäblich erschlagen.

Am 02. März 1946 begann die Vertreibung der Deutschen aus Tachov (Tachau). Die ersten Ringelberger verließen ihre Heimat im April 1946. Als Zielgebiete waren Bayern und Hessen vorgesehen. Die letzten Transporte gingen jedoch in die sowjetische Besatzungszone. 50 Kg Gepäck (Wäsche, Hausrat usw. ) durften in das „Internacni tabore“ (Vertreibungslager) nach Tachau (in der ehemaligen Zigarrenfabrik untergebracht) mit genommen werden. Dieses wurde aber von den Finanzern und der Gendarmen in Hals und von den „Kommissaren“ in Tachau kontrolliert. Vieles wurde den Leuten noch weggenommen, was aber von den „Goldgräbern“ später auch persönlich benutzt wurde. Im Herbst 1946 war die Vertreibung der Ringelberger Bevölkerung abgeschlossen. In unserem Ort blieben nur 3 österreichische Staatsbürger (Beltrani) im HsNr. 81 (Mundl) zurück, die aber anfangs der 50er Jahre das Haus an Karpathentschechen verkauften und nach Wien verzogen. Sie waren Nachfahren der Familie Friedl (Haselmüllner).

Wir wissen heute, daß bereits im April 1947 die ersten sogenannten „Reemigranten“ aus dem Bezirk „Tarma Marre“ am Karpathenbogen, Rumänien, in Ringelberg und Umgebung angesiedelt wurden. Um 1950 wurden die meisten Häuser durch Grenztruppen zerstört. Die Schule erst in den 60er Jahren, weil dort angeblich Republikflüchtlingen vor dem illegalen Grenzübertritt Unterschlupf fanden. Man wollte sie daran hindern, das „Paradies“ zu verlassen. Nur 17 Häuser sind vom ehemaligen Ringelberg übrig geblieben; ein Teil befindet sich in einem desolaten Zustand. Es sind dies die HsNr. 5, 10, 12, 15, 47, 53, 80, 93, 100/104 (Doppelhaus),110, 112 und 113. Auf den Grundstücken der Häuser 6 und 8 errichtete man neue Häuser; auf den Gründer der Häuser 3, 7, 13 und 89 wurden Wochenendhäuser gebaut. Der jetzt sogenannte obere Ringelberg“ Horny Vysina“ ist nach Halze (Hals) , der untere Ringelberg (Wallerhäuser „Dolny Vysina“ nach Obora (Thiergarten) eingemeindet. Es wohnen noch 15 Personen (also 500 weniger als früher) dort. Die Hauptstraße S 199 verläuft jetzt über den Ortsteil „Häuser“ nach Hals und an Stiebenreith vorbei nach Tachau. Die früher benutzte Strecke über die Wallerhäuser nach Frauenreith ist wegen des Trinkwasserstausees in Sorghof für den öffentlichen Verkehr gesperrt und nur mit einer besonderen Genehmigung zu benutzen.

Nachsatz

Am 06.04.1948 verließen die meisten verbliebenen Deutschen aus Sorghof, Thiergarten, Galtenhof, Paulushütte und Paulusbrunn unsere Heimat. Hauptwachtmeister Karel Staach, Oberwachtmeister Vlassak und einige Finanzer traten plötzlich als Helfer auf. Sie ließen sich das allerdings honorieren. Bis zu 10.000 Kc mußten dafür erbracht werden. Mit Fuhrwerken wurden die Glücklichen zur Grenze nach Hermannreith gebracht, um dort illegal die Staatsgrenze zu überschreiten. Darauf stand früher die Todesstrafe! Über das Durchgangslager in Furth im Wald wurden sie den Aufnahmeorten zugewiesen. Auch sie mußten das Schicksal der Vertreibung noch erfahren. Zurückgeblieben sind nur Personen, die in einer Mischehe lebten. Aber die sogenannten Helfer entgingen nicht ihrem Schicksal. Staach, Vlassak, Cerny, Kucera u.a. wurden aus dem Staatsdienst entlassen und mußten sogar 5 Jahre schweren körperlichen Tätigkeiten nachgehen. Staach starb bald danach, Vlassak war später am Okresni narodni Vibor (Bezirksamt) in Tachau angestellt. Seine Frau betrieb in Tachau einen Blumenladen und verzog später in die Gegend von Mies.

Sie hatten ihre Schuldigkeit getan und mußten abdanken. Ein schlechter Trost für uns alle.

Ringelberg ist heute da, wo Ringelberger leben.


Quellennachweis:

Ferdinand Roth; Die Geschichte Ringelbergs im Heimatboten für die Bezirke Tachau – Pfraumberg und Bischofteinitz.

Antonin Profous. Mistni jmena v. Cechach (Administratives Lexikon der Gemeinden in der CSR), fortgeführt von Swoboda und Jan Smilauer, 5. Teil, Prag 1955/1960.

Josef Köferl. Der politische Bezirk Tachau, Tachau 1890, derselbe. Supplement zur Heimatkunde, Tachau 1895.

Josef Schmutzer. Tachau – eine deutsche Stadt in Böhmen; Geisenfeld, 1970.

Dr. Franz Schuster, Tachauer – Pfraumberger Heimat, Weiden 1962.

U.v.a.m.

Josef Gleißner, Ringelberg 12 (Krawaschn)


Robert Gilbert

„is‘ einmal im Leben so,

allen geht es ebenso;

Was man möchte so gern,

liegt so fern!

Wenn man alles haben könnt,

wenn man ohne Mühe fänd`,

was man nie erreicht,

dann wär`s leicht.

Doch man sieht allmählich ein,

man muß hübsch bescheiden sein.

Schweige und begnüge dich,

lächle und füge dich,

is‘ einmal im Leben so,

allen geht es ebenso:

Grad der allerschönste Traum,

bleibt nur Schaum!


Dies Haus ist mein, und doch nicht mein.

Der nach mir kommt, wird`s auch nicht sein.

Den Dritten trägt man auch hinaus –

Nun frag`, wem gehört das Haus?

(Spruch an einem Bauernhaus in Mistelbach bei Bayreuth)


Was ist Heimat?


Ein Dörflein vielleicht, jenes der Kindheit,

oder ein Mensch, ein Gefühl, oder eine Sehnsucht,

oder eine Gedankenwelt?

Für so manchen ist Heimat auch gar nichts.


Der Dobner Lenz aus Tachau, ein bekannter Sandler (Tippelbruder),

erklärte in der Kalten Gasse, Ecke Bahnhofstraße in Tachau, wo im Hause Duparet die Tschechische Staatspolizei war, ganz öffentlich:

„Ich habe diese Republik nicht gewollt, ich arbeite nicht für euch, ihr könnt mich alle…“

Ihm geschah nichts; er hatte den berühmten Paragraphen zuerkannt!

Der Pichlhans aus Paulusbrunn, war auch ein Sandler, sang immer auf Wunsch für uns Kinder:

„Mein Herz, das ist ein Bienenhaus, die Mädchen sind darin die Bienen“…

(Nach einer Melodie eines bekannten Schlagers).


Der Anton von Hammer (Hoama) auch ein Sandler, ging von Haus zu Haus, mit dem Spruch.

„Ich möchte bitten um a`Oa (Ei)“, und bekam auch meistens ein solches!


Der spätere Rektor Karl Kugler, Geretsried, war in Tachau Lehrer an der Hilfsschule.

Wenn Herr Kugler zur Schule ging, kam er an einem Haus vorbei, in dem ein Schüler von ihm wohnte. Das Kind hieß Gangolf und wurde „Gangerl“ gerufen. Die Mutter bat Herrn Kugler, das Gangerl mit zur Schule zu nehmen, was dieser auch tat. Eines Tages sprach die Mutter folgende Bitte aus: „Herr Kugler, könnten sie nicht sehen, daß unser Gangerl auch ein Lehrer werden könnte, und wenn er nur so einer wird, wie sie es sind.“

Gangolf Binder ist in Tachau verstorben.


Der Mounta (Montag) is a Louda (Luder),

Da Diensta (Dienstag) is sa Brouda (Bruder),

Da Mitwa (Mittwoch) is a setta (solcher) Toch (Tag),

wou ma an Dounschta (Donnerstag) nix mäina (mehr) arwatn (arbeiten) moch (mag),

am Freita zohlz (zahlt) se a nimma as,

wal am Samsta (Samstag) is die Wochn as (aus).

(Spruch über Arbeitsunwillige)

 

In Memoriam an Ferdinand Roth

Am 06.Juni 1995 ist unser Landsmann Ferdinand Roth (Franznvei(t)nferdl) aus Galtenhof (Irlweiher) im Alter von 80 Jahren in Roth bei Nürnberg verstorben. Er wurde am 09.06.1995 an seinem Wohnort Büchenbach bei Schwabach zur letzten Ruhe gebettet. Eine überaus große Zahl von Trauergästen nahmen Abschied von ihm; seinen Angehörigen gilt unsere aufrichtige Anteilnahme. Der Verstorbene gehörte zu den aktivsten Persönlichkeiten im Kulturleben unserer engeren Heimat und die Lücke, die er hinterließ, kann nicht mehr

geschlossen werden. Ferdl wurde am 02.02.1915 in Galtenhof, Nr. 26, als 2. Kind der Eheleute Ferdinand Roth und seiner Ehefrau Anna, geb. Popp, geboren. Von 1921 bis 1926 besuchte er die Volksschule an seinem Heimatort, von1927 bis 1930 die Bürgerschule in Tachau. Er war anschließend an der Lehrerbildungsanstalt in Prag in Ausbildung. Im Jahre 1934 legte er die erste, 1938 die zweite Lehramtsprüfung in den Fächern Deutsch, Erdkunde und Geschichte ab. Auch er stand – wie viele Deutsche – auf der Warteliste für die Anstellung als Fachlehrer an deutschen Schulen in der Tschechoslowakischen Republik, eine uns allen bekannte Tatsache, deren Ursache wir kennen. Sein Praktikum leistete er an verschiedenen Volksschulen (Galtenhof, Brand, Hals, Neulosimtal, Tissa und Rail) und in Haid sowie Roßhaupt an den Bürgerschulen ab. 1939/ 1940 kam die Bürgerschullehramtsprüfung in zwei Teilen (Eger) dazu. Danach wurde er zum Kriegsdenst einberufen und kam nach Frankreich und Rußland. Er wurde mehrmals verwundet und die Folgen seiner Verletzungen machten ihm in seinem späteren Leben schwer zu schaffen. In russische Gefangenschaft geraten, wurde er den Tschechen übergeben, die ihn am 05. September 1946 entließen. Zu seiner Familie zurückgekehrt , wurde er am 22.10.1946 aus seiner Heimat vertrieben (die Ehefrau stammte aus Böhmischdorf). Auf Umwegen fand er zunächst Aufnahme in der Gegend von Parsberg in der Oberpfalz, wo er an drei verschiedenen Stellen als Lehrer tätig war. Nebenher hat er an landwirtschaftlichen, gewerblichen und kaufmännischen Berufsschulen im jeweiligen Wohnbereich Unterricht erteilt. Von 1954 an war er an der Mittelschule in Kemnath Stadt, Landkreis Tirschenreuth tätig, wo er 1959 Konrektor und 1964 zum Leiter bestellt wurde. Als Vorsitzender des Volksbildungswerkes im vorher angeführten Landkreis hat er in verdienstvoller – Weise sich betätigt und wurde dafür ausgezeichnet.

Besonders als langjähriger Mitarbeiter unseres Heimatbotens erwarb er sich viele Sympathien der Leser, vor allem im ersten Jahrzehnt nach unserer Vertreibung. Seinen Galtenhöfer Landsleuten war er unermüdlich behilflich und ihren Ansprüchen am Lastenausgleich half er beim Ausfüllen der komplizierten Formularen selbstlos und unentgeltlich. Kaum zu zählen waren die Beiträge im heimatpolitischen Teil unseres Heimatblattes in vielen Sparten (Gründung der Walddörfer, Hussitenkriege, industrielle Tätigkeiten in Werkstätten des Kreises Tachau, Topographie im alten Landkreis, Sitten und Gebräuche u.v. mehr). Für uns Ringelberger hat er den geschichtlichen Werdegang der Gemeinde fast lückenlos nachgewiesen, so daß diese nach unserer Vertreibung nachgezeichnet werden konnte.

Am 31.07.1978 trat er den wohlverdienten Ruhestand an, den er noch fast zwei Jahrzehnte genießen konnte. Die Vergangenheit war für ihm etwas gewesen, was ihm mit uns innig verband. Das Vertrauen in seine Kraft und Fähigkeit, die Freude an seinem Beruf, sind und waren das Geheimnis seines Erfolges. Ferdl war weltoffen, aufgeschlossen und mit seiner Heimat sehr verbunden; er hat die Herkunft – im Gegensatz zu manch anderem – nie verleugnet. Seine stete Aufrichtigkeit und Standfestigkeit, sein kompromißloses Eintreten für die verlorene Heimat, der immer wiederkehrende Hinweis auf das Verbrechen der Vertreibung sowie seine Geradlinigkeit im Ringen um die geschichtliche Wahrheit haben ihm Anerkennung in weiten Kreisen gebracht. Stolz war er auf seine und unsere Vorfahren und er hat für das Recht auf Heimat immer gekämpft, in Worten und Taten. Möge ihm der Herr für seine Heimattreue in sein ewiges Reich aufnehmen und ihm alles vergelten, was er uns Großartiges hinterlassen hat. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten.

Josef Gleißner, Ortsbetreuer von Ringelberg

(Dieser Nachruf sollte im Heimatboten veröffentlicht werden. Galtenhöfer Landsleute haben aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen dies nicht gewünscht. Dies zur Klarstellung).

Das Kriegsende

Nach dem Großangriff der sowjetischen Truppen am 12.01.1945, in dessen Verlauf die Rote Armee tief nach Ostdeutschland vorstieß, kamen in unserer Heimat verstärkt eine größere Anzahl von Flüchtlingen aus Schlesien an. Die Dienststellen der Partei und der Verwaltung sorgten dafür, daß sie alle Aufnahme fanden. U.a. wurden auch Schulen geschlossen. Auch der Unterricht an den offen gebliebenen Schulen fiel immer mehr aus. Die Luftherrschaft der westlichen Alliierten war so gravierend, daß die Verteidigung unserer Heimat im Luftraum nicht mehr möglich war. Auch der Verfall einiger Abteilungen der Wehrmacht war auszumachen; das kommende Ende zeichnete sich ab. Dennoch gab es einige Unverbesserliche, die auf die angekündigten neuen Waffen hofften. Im Rheinland z.B. sah man schon früher des öfteren Parolen an die Wände gemalt, die lauteten: „Wir alten Affen, sind die neuen Waffen“. Nunmehr wurden das letzte Aufgebot herangezogen – der Volkssturm und die 15 – jährigen, die für den Endsieg sorgen sollten. Die Kriegsmüdigkeit war überall zu bemerken. Bei uns wurden die 16 – jährigen noch zur Wehrmacht eingezogen. Die Lebensmittel wurden zusehends knapper, einige Rationen konnten nicht mehr zugeteilt oder ausgeliefert werden. Rundfunkmeldungen – meist von sogenannten Feindsendern – kündigten die baldige Niederlage Gr0ßdeutschlands an. Die meisten unserer Verbündeten scherten aus und schlugen sich auf die Seite der Alliierten; niemand wollte zu den Verlierern gehören (wie es immer war).

Auch im Westen zeichnete sich das endgültige Aus an. Das letzte, natürliche Hindernis, der Rhein, wurde erstmals am 08.03. von den Amerikanern bei Remagen überschritten, die Briten überquerten diesen am 23.03. zwischen Rees und Emmerich (Niederrhein).Ihre Offensiver war nicht aufzuhalten, die Materialüberlegenheit betrug ein Vielfaches uns gegenüber. Als dann im April der US – Präsident Roosevelt starb, hofften manche, die alliierte Koalition würde auseinanderbrechen. Was für ein Trugschluß. Verwunderlich war nur, daß das Völkermorden noch so lange andauerte.

Am 08.05. kapitulierte Großdeutschland gegenüber den westliche Alliierten in Reims, Frankreich und am 09.05. mußte die Zeremonie auf Verlangen der Sowjets in Potsdam wiederholt werden. Das Schicksal – besonders der Sudetendeutschen – nahm ihren Lauf. Schon im Februar meldete Radio Moskau und die BBC in London , daß die Tschechische Nationale Front einen Aufruf erlassen hat. Dieser lautete:

„Greift die verfluchten Deutschen an und erschlagt die Okjupanten, bestraft die Verräter , bringt die Feiglinge und Schädlinge des nationalen Kampfes zum Schweigen“. General Ingr, der csl Befehlshaber im Westen, sagte bereits am 03.11.1943 im Londoner Rundfunk: Viele Tschechen haben den alten Schlachtruf der Hussitten aufgenommen: „Schlagt sie, tötet sie, laßt niemand am Leben“. Radio Beromünster (Schweiz) meldeten schon gegen Ende November 1943, daß die Ausweisung aller mit den Nationalsozialisten sympathisierenden Personen in der CSR zum Tragen kommen wird. Schließlich verkündete Benes in Kaschau (Karpathenrußland) : „Wehe, wehe allen Deutschen; die Stunde der Rache ist gekommen“. Von all diesem wußte die Masse der Sudetendeutschen in der Heimat nichts, weil man mit den üblichen „Volksempfägern“ – so die meisten Radios genannt – diese Sender nicht hören konnte. Auf das Abhören von Feindsender stand bekanntlich die Todesstrafe! Kenner wußten angeblich, daß von der Aussiedlung nur die Antifaschisten nicht betroffen sein sollten, was ein Trugschluß war und so niemals ernstlich erwogen wurde. Benes hatte bekanntlich unter falschem Vorwand die Zustimmung für die „Aussiedlung“ der Deutschen von den westlichen Mächten erschlichen. Er gab an, daß die Sowjetunion dieser Maßnahme bereits zugestimmt hat, obwohl dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht zutraf. Makaber war, daß der Ministerpräsident der Tschechischen Exilregierung in London ein katholischer Geistlicher war, nämlich Monsignore Dr. J. Sramek. Damit kann man feststellen, daß ein tschechischer Geistlicher immer in erster Linie ein Tscheche ist, im Gegensatz zu den deutschen Priestern. Wie nach dem 1. Weltkrieg, fielen die Sieger über die Verlierer her und teilten sich die Beute untereinander auf. Die Tschechen gehörten dazu, die Slowaken – obwohl Verbündete zu Deutschland – nahmen sich ebenfalls das Recht hierzu. „Wehe den Besiegten, hieß es bereits in alter Zeit“. Das Unfaßbare begann!

Die militärische Lage im Westen des Sudetenlandes (Egerland)

Auf dem Vormarsch der US – Amerikaner nach Mitteldeutschland schwenkte die 3. US – Armee unter General Patton aus dem Raum Erfurt, Thüringen – wo er seinen Schwiegersohn aus deutscher Kriegsgefangenschaft befreite – nach Süden und Südosten ein. Er wollte am Böhmerwald vorbei, zur Donau und Österreich vorstoßen, um die sogenannte Alpenfestung – welche es gar nicht gab – einzunehmen. Am 19.04. erreichten die ersten Amerikaner den sudetendeutschen Ort Gottesgrün im Ascher Zipfel. Am 20.04. zogen sie in Asch, am 22.04. in Eger, am 25.04. in Franzensbad, am 02.05. in Tachau, am 05.05. in Haid und Bischofteinitz, am 06.05. in Pilsen – sogenanntes Protektorat Böhmen und Mähren (67. US – Division) und am 07.05. in Falkenau, ein. Sie verharrten an der Linie St. Joachimstal – Fischern bei Karlsbad – Pilsen und Budweis (Südböhmen). General Patton bedrängte seinen Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhover , den Vormarsch nach Prag zu genehmigen, was ihm strickt untersagt wurde. Die meisten Tschechen wünschten dies und wollten von der Sowjets nicht befreit werden. Gegen die Absicht Pattons hat die Sowjetunion Einspruch erhoben und Washington kuschte. Auch Winston Churchill forderte damals , daß die westlichen Verbündeten soweit wie möglich nach Osten vorstoßen sollten, um ein Pfand gegenüber den Sowjets in der Hand zu haben. Er selbst hatte aber bei früheren Verhandlungen den Russen die CSR als Einflußgebiet zugestanden. Die Rote Armee wollte unbedingt in Prag als Sieger einziehen. Die Nationaltschechen wollten dies nicht. Sie spannten in den Maitagen die 2. Division der „Wlassov -Truppen“ (Sowjets in deutscher Uniform) für ihre Ziele ein, was diesen aber schlecht bekam. Die Sowjets betrachteten sie als „Verräter“ und haben die meisten von ihnen hingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt war die Rote Armee noch in Teilen von Sachsen und in Böhmen / Mähren in Kämpfe mit den Soldaten des Generaloberst Schörner verwickelt, der die „Ostfront“ halten wollte, um den Westalliierten möglichst viele Gebiete zu überlassen. In unseren Gefilden hatten die Amtswalter der NSDAP mit Durchhalteparolen zur Verteidigung der Heimat aufgerufen und ordneten die Errichtung von Befestigungen (Panzersperren usw) an, was sich als völliger Unsinn herausstellten sollte. Bei der völlig unzulänglichen Bewaffnung der Volksturmeinheiten und kleine Resteinheiten der Wehrmacht (einschließlich des Reichsarbeitsdienstes) war ein Widerstand aussichtslos. Die Bevölkerung lehnte derartige Pläne ab und in manchen Orten gab es sogar eine stille Übereinkunft mit Parteiführern und Wehrmachtskommandeuren, den Kampf einzustellen. Hinhaltenden Widerstand leisteten fast nur Einheiten der Waffen SS. Deswegen wurde einige Ortschaften fast vollständig vernichtet. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurden die Bürgermeister der Ortschaften mit der Weiterführung ihres Amtes beauftragt, soweit diese nicht zu sehr als politische Amtsträger belastet waren. Alsbald wurden Parteifunktionäre und exponierte Verwaltungsbeamte verhaftet und interniert (Hammelburg in Unterfranken). Sie entgingen damit der Verhaftung durch die Tschechen, soweit sie nicht auf Anforderung durch die Tschechen ausgeliefert wurden.(Henlein, Kreisleiter und Amtswalter der NSDAP). Eine besonders gehässige Haltung der tschechischen Brigaden wurde durch die Amerikaner – trotz Fraternisierungsverbot – teilweise ausgeglichen. Die US – Kampftruppen zogen alsbald ab; sie wurden nach Ostasien verlegt, denn der Krieg mit Japan war noch im Gange. Die nachfolgenden Einheiten waren der Bevölkerung gegenüber reservierter eingestellt. Es kam die Direktive JCS 1067 der amerikanischen Besatzungsstreitkräften zur Anwendung. Sie lautete: „Deutschland wird nicht besetzt werden zum Zwecke der Befreiung, sondern als eine besiegte Feindnation. Der Zweck ist … die Besetzung zur Durchsetzung gewisser alliierter Ziele“… Eines davon war, die Befreiung der CSR. Dies sagte auch der Gouveneur von Tachau, Captain Alfred D. Hoveye aus Springfield, USA.

Im Laufe des Sommers gewann die csl Verwaltung an Boden und die deutschfeindlichen Maßnahmen nahmen unentwegt zu. Die Zwangsverordnungen mehrten sich, Verhaftungen von Deutschen waren an der Tagesordnung. Zu wilden Vertreibungen kam es wegen der Anwesenheit der Amerikaner in unserer Gegend nicht. Die Reichsdeutschen Bürger mußten im Herbst das Gebiet verlassen und wurden teilweise von den Amerikanern nach Restdeutschland verbracht. Die einheimische Bevölkerung sollte bald folgen, was fast niemand für möglich hielt. Man glaubte selbst den Amerikanern nicht, die sagten: „ Ceky bum, bum“ (die Tschechen werden schießen). Zunehmend trafen Personen ein, die sich als „Narodni spravce“ (Nationalverwalter) etablierten. Sie suchten sich die besten Objekte aus und waren von sofort an die Besitzer. Manche früheren Eigentümer durften am Ort verbleiben und als Knecht oder Magd usw. dem neuen Eigentümer dienen. Andere wiederum wurden zur Zwangsarbeit im Inneren der CSR verpflichtet. Wenn sie Glück hatten, blieb ein Raum ihrer früheren Wohnung als Notunterkunft übrig. Sicher war das nicht. Tag für Tag wurde deutlich erkennbarer, daß die Vertreibung kommt. Wer an der nahen Staatsgrenze wohnte, konnte unter Lebensgefahr nach Bayern flüchten. Die Grenze war scharf bewacht, geschossen wurde ohne Anruf. Willkommen war man aber dort meistens nicht; die Solidarität hatte aufgehört zu bestehen. Nach dem der Wortlaut des Potsdamer Abkommens bekannt wurde, war jedem klar, daß das Schicksal seinen Lauf nehmen wird. Jede Illusion war zerstoben. Gerüchte nahmen überhand. Es herrschte große Niedergeschlagenheit. In den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurden die Deutschen verurteilt, weil sie im sogenannten Warthegau (Polen) Einheimische vertrieben haben (etwa 300 – 500.000) und nunmehr „siedeln“ so nannte man das, die Sieger 15 Millionen Deutsche aus Polen, der CSR, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien aus. Wer kann das verstehen. Wahrlich kein Ruhmesblatt der Geschichte. Makaber ist, daß die CSR von der UNRA (Organisation der UNO) auch für die 3 Millionen Sudetendeutsche Nahrungshilfe erhielt, obwohl diese von der Zuteilung ausgeschlossen waren. Sie gaben ihre Gesamtverluste mit 340.000 Personen, davon 250.000 Mann militärische, an. Letztere Zahl ist aber nur dann ungefähr zutreffend, wenn die in der deutschen Wehrmacht gefallenen Sudetendeutschen als Verluste der CSR bezeichnet werden.

Das brachten sie also noch fertig, sich mit den Verlustzahlen der Deutschen zu prahlen, obwohl sie kaum aktiv am Krieg beteiligt waren. Man schrieb darüber nichts. Nun kamen die „Mistni narodny vibors“ (örtliche Gemeindeverwalter), die csl Gendarmerie, Staatspolizei und Finanzer (Zöllner). Mit dem vertragsgemäßen Abzug der Amerikaner am 01.12.1945 ging es erst richtig zur Sache. Die Deutschen waren alle vogelfrei.

Es gab Parolen, die besagten, daß der „Odsum“ (Abschub wie sie es nannten und heute noch nennen), nur von kurzer Dauer sein wird. Wir kommen alle wieder zurück, hieß es. Dann hieß es, die Egerländer kommen zu Bayern, weil die US – Amerikaner deutsche Kriegsgefangene nach „Neu – Bayern“ entließen. Viele Antifaschisten wähnten sich von der Vertreibung verschont, obwohl der Vorsitzende der sudetendeutschen Sozialdemokraten Wenzel Jaksch , der aktiv gegen Hitler Stellung nahm und kämpfte, nicht einmal in das Sudetenland zurückkehren durfte (auf Veranlassung von Benes, die Briten stimmten zu). Er durfte erst 1948 nach Westdeutschland ausreisen! Im Jahre 1947 beschwerte sich Jaksch in London (ich habe es selber gehört), daß ein Teil seiner Parteifreunde nach der Rückkehr in die CSR sich nicht korrekt verhalten haben. Das meiste Raubgut ging zunächst an die „Zlato – kopci“ (Goldgräber) über. Die Vertreibung begann. Der erste offizielle Transport der Vertriebene aus dem Egerland traf am 04.02.1946 im hessischen Weilburg ein. Er kam aus Kuttenplan, bei Marienbad, damals Kreis Tachau.

Die Vertreibung der Sudetendeutschen war nicht etwa eine spontane Aktion oder Reaktion des csl – Volkes auf die Besetzung ihres Gebietes durch Hitler zwischen 1939 und 1945 gewesen, vielmehr war diese von langer Hand vorbereitet. Bereits im Sommer 1942 ist in vertraulichen Gesprächen mit den 3 Mächten England, Frankreich und den USA erreicht worden, daß solche Pläne verwirklicht werden konnten. Der frühere Abgeordnete Duchacek, ein Mitarbeiter der Exilregierung in London und der spätere Außenhandelsminister Dr. Ripka, sagten aus, daß gegen Ende 1943 alle Mitglieder der „Nationalen Front“ in dieser Frage vollständige Übereinstimmung erzielten. Die Vertreibung ist also das Werk aller tschechischen Parteien. Nach Dr. Ripka wurde bereits 1939 darüber gesprochen (Wenzel Jaksch weist in seinen Erinnerungen an den 2. Weltkrieg darauf hin; O.a.O. Seite 20). Benes rühmte sich, den Austreibungsplan bereits vor Ausbruch des 2. Weltkrieges konzipiert zu haben. Dr. Ripka war es auch, als erster Politiker im Sommer 1941 „eine organisierte Anwendung des Prinzips der Umsiedlung von Bevölkerungsteilen nach dem Krieg“ in einem Artikel in der Zeitung „Czechoslowak“ (Organ der Exilregierung ) und der Zeitschrift „Central Europan Observer“ propagierte. In den „Sozialistischen Nachrichten“, London, Nr. 19 vom 16.Juli 1941 wird aus der Stellungnahme Dr. Ripkas zitiert: „Es wird notwendig sein, mit allen angemessenen Mitteln, evtl. auch die Anwendung des Prinzips der Umsiedlung von Bevölkerungsteilen Deutschlands, an dem Mißbrauch der Minoritäten für seine Ziele, zu veranlassen. Jedenfalls sollte man sich bestreben, die kleineren mitteleuropäischen Staaten zu rekonstruieren, daß sie national möglichst gleichartig sind, und daß innerhalb von ihnen die Bedeutung der Nationalitätenelemente auf ein Mindestmaß herabgesetzt wird“. Am 05.12.1942 hat Benes in einem Vortrag vor Studenten und Dozenten der Universität Manchester erklärt: „Ich kenne keine ideale Lösung des Minderheitenproblems in Mitteleuropa, weder durch Grenzkorrektion noch durch Transfer, keineswegs durch nationale Rechte der Minderheiten“.

Hier noch einige Notizen, die auf frühe Planungen in Sachen Vertreibung hinweisen:.

Reutermeldung vom 20.08.1943

Dr. Ripka erklärt im Rundfunk:

„Die Ausweisung der Deutschen gehört zu den vordringlichsten Aufgaben der csl Regierungspolitik“.


Benes kündigte am 03.04.1944 im Londoner Rundfunk an:

„Böhmen, Mähren und Schlesien werden nach dem Ende des Krieges Schauplatz eines gewaltigen Aufstandes sein und das solle ein Volksaufstand gegen die Deutsche und Faschisten bedeuten, der auch blutig und erbarmungslos sein wird“.


General Ingr, Militärbefehlshaber erklärt nach „News Chronicle vom 04.11.1944 im Londoner Rundfunk:

„Wenn der Tag kommt, wird die ganze Nation dem Schlachtruf der Hussitten ausrufen:

Schlagt sie, tötet sie, laßt keinem am Leben“!

Prag im Mai 1945

Bereits am 04.05.1945 hat sich auf Anordnung der Exilregierung in Kaschau eine oberster Nationalrat geheim gebildet, dem Prof. Albert Prazak vorstand (Zeitschrift Drousek vom 31.12.1971) . Es folgten Nationalausschüsse „Narodni vibors“. Ihr Vorsitzender war Prof. Ottokar Machotka, Vize des Revolutionsrates.

Aufruf des Senders Prag II am 05.05.1945

„Smrt nemekum“ (Tod der Deutschen).

„Srmt nemkym occupantum“ (Tod aller deutschen Okkupanten)

„Povstani, povstani“ (Aufstand, Aufstand)

„Schlagt sie tot, wo ihr sie trefft, tötet, mordet, auch das Ungeborene im Mutterleib.“

Sie wurden in einen Blutrausch und dämonische Massenhysterie versetzt, die einer Situation Tür und Tor öffnete und zu Greueltaten führten, welche jene der Hussiten übertrafen.


Jan Masaryk, der Außenminister erklärte damals:

Die Deutschen haben keine Seele, am besten verstehen sie die Sprache der Maschinengewehre und der Teufel spricht deutsch.“


Jaksch (Vorsitzender der Sudetendeutschen Sozialdemokraten (auch im Exil):

„Das britische Außenministerium teilte noch am 15.01.1945 angesichts der übermittelten Pläne zur Vertreibung der Sudetendeutschen mit, daß England den Plan nicht billigt., weil solche Fragen nur im Zusammenhang mit der gesamten Friedensregelung beurteilt werden können.


Der stellvertretende Außenminister Mc Fall (prominenter US – Senator) und Henry Cabot Lodge, jun., von 1967 bis 1969 Botschafter in der BRD und persönlicher Berater des Präsidenten beim Vatikan, erklärten:

„Die US – Politik hat die Vertreibung weder gebilligt noch gefordert. Gegen die wilde Vertreibung wurde Einspruch erhoben. Ihre schlußendliche Hinnahmen wäre von zentraler Bedeutung gewesen, um zu einem geordneten menschlichen Verfahren zu gelangen, die anderenfalls mit einer Deportation in das Polargebiet der Sowjetunion hätte führen müssen.“


Es gab 1945 / 1946 1215 Internierungslager (sprich KZ), 846 Arbeits – und Straflager und 215 Gefängnisse für 350.000 Deutsche.


Dr. Drabek, Chefankläger der wieder errichteten CSR ist 1948 nach den USA emigriert. Er wurde Mitarbeiter der Stimme Amerikas! Er hat damals alles getan, um die Sudetendeutsche als Staatsfeinde zu brandmarken und die Vertreibung zu rechtfertigen.

Benes in einer Rede am 03.06.1945 in Tabor

„Alle Deutschen müssen verschwinden. Was wir im Jahre 1919 schon durchführen wollten, erledigen wir jetzt. Damals schon wollten wir die Deutschen abschieben. Deutschland aber war nicht vernichtet, und England hielt uns die Hände. Wir wollten das dann auf eine etwas feinere Art zur Durchführung bringen (Anmerkung: durch die systematische Tschechisierung der Sudetendeutschen), aber da kam das Jahr 1938 dazwischen.“ (Im Siegerrausch sagte er die Wahrheit, die er sonst wohlweislich verschwieg).

„Finis Germaniae“ rief 1945 die tschechische Nationalsozialistische Abgeordnete Frana Zinnova im Prager Parlament. „Wir haben die Deutschen gejagt und werden sie weiterjagen“ Auch sie merkte nicht, wie die übrigen Parteigänger ihrer Color, daß sie nur Handlanger und nützliche „Idiotin“ (Lenin) der so umjubelten „Befreier“ und des großen Bruders waren. Das Leben der Deutschenhasserin endete in den fünfziger Jahren in einer sogenannten Besserungsanstalt (Arbeitslager , Gefängnis, KZ usw), wo sie ihr Schicksal mit den sudetendeutschen „Restributionsgefangenen“ teilen mußte. Ihre und die ihrer Parteifreunden deutlich gezeigte Abneigung gegen die Deutschen hat u.a. dazu beigetragen, daß die Genossen Werktätigen im Februar 1948 die Macht im Staate übernehmen konnten. Der „Schweyk“ hatte ausgedient. Der große Bruder erkannte die tschechische Spezialität und hat diese richtig bewertet. Auch Jan Masaryk mußte seine Anbiederung bitter bezahlen. Am 10. März 1948 wurde am Gehsteig vor dem Cerny Palais (Außenministerium) tot aufgefunden. Er galt als der geschickteste Fensterspringer der Welt, weil er beim Sprung aus dem Fenster dieses selber hinter sich geschlossen hat. Masaryk berichtete auch, daß er wegen der Teilnahme der CSR am Marshallplan nach Moskau zitiert wurde. Nach seiner Rückkehr erklärte er: “ Nun weiß ich, daß ich nicht ein Außenminister eines souveränen Staates bin.“ Das Spiel war aus! Die Gerechtigkeit nahm seinen Lauf.

„Pravda vitezi“ . Die Wahrheit siegt, war der Wahlspruch der 1. Csl – Republik! Thomas G. Masaryk, der 1. Staatspräsident der CSR trug den Ehrentitel „ Der Befreier“! Also wir Sudetendeutschen wurde 1918 befreit (von wem eigentlich?)

Professor Huber, Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“

„Es gibt für alle äußere Legalität eine letzte Grenze, wo sie unwahrhaftig wird, dann nämlich, wenn sie zum Deckmantel einer Feigheit wird, die sich nicht getraut, gegen offenkundige Rechtsverletzungen aufzutreten.“ Das trifft auch für die Vertreibung zu!

Vielen heutigen Menschen ist nicht bekannt, daß die Nachkriegsregierung der damaligen CSR auch über Tschechen und Slowaken – nicht nur in brutaler Weise über die Deutschen und Ungarn – Unrecht gebracht hat. Rechtliche Grundlagen waren die Dekrete des damaligen, selbst ernannten Präsidenten Edvard Benes und seiner Minister keineswegs (auch wenn dies der heutige Premier und der csl Staatspräsident behaupten). Die Nachkriegsregierung wurde bekanntlich nicht gewählt. Sie übte die Macht ohne ein gewähltes Parlament aus – und dies ein Jahr lang, also während der ganzen Zeit der Vertreibung. Einige ihrer Dekrete glichen dem Standrecht. Ohne Berufungsmöglichkeiten wurden sowohl Deutsche als auch unbequeme Tschechen und Slowaken – unter ihnen auch Juden! – in den Tod, in Kerker und Arbeitslager geschickt. Andere Dekrete beraubten noch mehr Menschen aller Früchte ihrer Lebensarbeit, ihres Zuhauses, erbarmungslos auch die Ärmsten unter ihnen. Für die Aussiedlung (ein milder Begriff) gibt es paradoxer weise überhaupt kein Dekret, keine gesetzliche Grundlage. Man versteckt sich hinter dem Potsdamer Abkommen (so wie es die Tschechen öfters in ihrer Geschichte taten, um sich von der Verantwortung zu stehlen). Es ist zu befürchten, daß manche Deutsche, die manchmal im guten Glauben die Vertreibungspolitik verharmlosen, den heutigen Reformstaaten (CR und Slowakische Republik ) einen Bärendienst erweisen, wenn sie den Reformstaaten nicht klar sagen, daß die Vertreibung eine verbrecherische Politik war, und daß sie sich davon distanzieren müssen!

Es möge jeder seine Schlüsse ziehen.

Josef Gleißner

 

Gedicht eines Unbekannten aus dem Jahr 1946

Verlorene Heimat

Kannst du dies deine Heimat nennen,

wo fremde Menschen um dein Ohr drängen,

wo auf allen Wegen fremde Menschen dir begegnen!

Glaubst du noch, einen freundlichen Blick zu erhaschen?

Doch der Frühling ist so wunderschön,

es ist, als hätte man ihn noch nicht gesehen.

Der Vögel stimmen klingen hell und rein,

soll das der Abschied sein?

So hört der Vögel schöne Lieder und denkt:

Die Höimat (Heimat) siehst du nie mehr wieder!

Fremde Menschen haben sich breit gemacht,

und das Beste ist weggeschafft.

So pack` auch deine Siebensachen,

es gilt, für die Reise sich fertig zu machen.

Wir gehen heim in`s Land der Muttersprache

Für uns ist das keine Strafe;

Das Leid, was uns bedrückt,

wir lassen unsere teure Heimat zurück.

Gott will, daß wir gehen aus dem Elternhaus

Und bauen uns in Deutschland eine Heimat auf.

Drum Kopf hoch, verzage nicht,

es bleibt uns doch das Sonnenlicht!

 

Trostgebet

Wenn deine Seele ist voll Leid,

dein Herz zu Tod betrübt;

verzage nicht, es kommt die Zeit,

wo neues Leben blüht.


Doch suche Trost nicht im Gewühl,

kehr ein ins eigene Herz;

kein Mensch verstehet dein Gefühl,

und kein Mensch deinen Schmerz.


Und schreist du in die Welt hinaus,

und weinst du Augen blind;

sie tragen nur von Haus zu Haus,

und weißt wie Menschen sind.


Sei ruhig in diesem Hain,

wo stille Andacht dich umgibt;

deinem ewigen Gott vertrau allein,

was deine wunde Seele drückt.


Er wird dir Mut und Kraft verleih`n ,

zu tragen deinen Schmerz,

der liebe Gott versteht allein,

ein armes Menschenherz!

Ernst Halma (+ 27.03.1900 in Tachau), fürstlich Windisch – Grätzer Bibliothekar.

(Aufgezeichnet in der Hohensteinkapelle); nach Josef Wolfinger, ehem. Stadtbetreuer von Tachau.

 

Der Reichenbach

Einer der Quellbäche des Miesflusses (dieser wird zur Beraun, Moldau und Elbe) vom Ursprung bis zum sogenannten „Waffenhammer“ (heute überschwemmt) im Aglaiental bei Tachau. Nunmehr wird der Bach zum Fluß und nimmt den Namen „Mies“ bzw. „Miesa“ an.

Diese Abhandlung gilt vor allem den gewerblichen Kleinbetrieben, die einst am Lauf des Baches lagen und teilweisen historischen Vorgängen von einst bis zur Jetztzeit.

Einleitung

Dank des starken Gefälles und der errichteten Ableitungen wurde der Wasserlauf schon frühzeitig mannigfach gewerblich und industriell genutzt. Besonders im 19. Jh wurden entlang dieses Baches Eisen – und Glaswerke betrieben, die nachher aus verschiedenen Gründen aufgelassen werden mußten. Ungefähr ab dem 20. Jh stellte viele Betriebe auf die Holzverarbeitung um, weil der natürliche Rohstoff Holz in großen Mengen vorhanden war und genutzt werde konnte. Viele Bewohner dieses Gebietes waren auf Nebeneinkünfte angewiesen, weil die Erlöse aus der Land – und Forstwirtschaft nicht ausreichte, um die meist großen Familien zu ernähren. Andere erwähnenswerte Verdienstmöglichkeiten waren nur im beschränkten Umfang vorhanden.

Einzugsgebiet

Geographisch gesehen, liegt der Ursprung des Baches an einer europäischen Wasserscheide, welche ihre Wässer in die Nordsee und zum Schwarzen Meer ableitet. Die Trennlinie dieser verläuft vom Ahornberg, Bayern (3 km nordöstlich von Hermannsreuth) zur Höhe 801, etwa 1 km südlich von Hermannsreuth (eigenartiger weise hat diese Höhe auf keiner Landkarte einen eigenen Namen aufzuweisen), von dort zur total zerstörten Ortschaft Baderwinkel (Vetrov), weiter zu den ebenfalls zerstörten Schanzhäusern an der Staatsgrenze, zum Schmuckerberg (Bayern) und zum Bärnauerberg (Böhmen). Letzterer bildet einen Eckpfeiler der Wasserscheide. Südlich davon befindet sich der Entenbühl (Bayern), 902 m Sh und der Große Rabenberg (Böhmen), 874 m Sh, der höchste Berg des ehemaligen Bezirkes Tachau. Die Trennlinie verläuft weiter zum Bletznes – , Buchen-, Glas- und Höllberg bei Schönwald (Lesna) in Böhmen.

Folgende Gewässer entspringen im Bereich der Wasserscheide Elbe und Donau.

1 – Am Ahornberg, 792 m Sh

  • Der Reichenbach (fließt zur Elbe)

  • Der Schwarzenbach (fließt zur Donau)


2 – Die Höhe 801

  • Der Heiligen – und der Steinbach (fließen zur Donau)


3 – Der Schmuckerberg, 802 m Sh

  • Der Paulusbrunnerbach (fließt zur Elbe)


4 – Der Bärnauerberg, 815 m Sh

  • Die Waldnaab (fließt zur Donau)

  • Der Zottbach (fließt zur Donau)


5 – Der Höllberg, 715 m Sh

  • Der Schönwalderbach (fließt zur Elbe)

  • Der Katharienenbach (fließt zur Donau)

Die Tschechen nennen heute das Gebiet des nördlichen Böhmerwaldes „Cesky Les“, d.h. auf Deutsch „Böhmischer Wald, nicht Böhmerwald. Dieser wird “Sumava“ genannt.

Der Reichenbach

Inder Senke, nordwestlich von Hermannsreuth , liegen die acht Quellen (teilweise mit Bach bezeichnet), die nach ihren Zusammenflüssen den Namen Reichenbach (unterhalb der Unteren Kellermühle) annehmen. Die meisten Wässer entspringen südlich der Ortschaft Asch im Landkreis Tirschenreuth (Bayern), nämlich bei der aufgelassenen Öde Aschersreuth in 710 m Sh. Die abfließenden Wässer berühren zunächst den Mühlweiher und 2 andere Teiche bei der Oberen Kellermühle und fließen zur Unteren Kellermühle weiter. Von dort unterquert er eine Brücke der Straße nach Hermannsreuth und läuft zur Staatsgrenze weiter. Das Wasser fließt nunmehr in östlicher Richtung – entlang eines schmalen Streifens nasser Uferwiesen (Lohe und Gewächs) – weiter und nimmt den aus nördlicher Richtung kommenden Steinbach auf. Am Grenzstein Nr. 33 (in 648 m Sh) vorbei zum Grenzstein Nr. 32 (in 617 m Sh) fließend verläßt der Bach bei den Reichenwiesen das Land Bayern. Nunmehr bildet dieser auch die Grenze zwischen dem ehemaligen Ringelberger Revier (Gemeinde Ringelberg) und der Gemeinde Galtenhof( Das Ringelberger Revier war 9,929 qkm groß). Unterwegs zum Irlweiher kommt von rechts das Wasser vom Katzenbach dazu. Der derzeitige Grenzverlauf wurde bereits im Jahre 1548 in einem Vertrag zwischen dem Herzogtum Kurpfalz und dem Königreich Böhmen festgelegt und im 18., 19., und 20. Jh bestätigt (also nicht verändert). Zuletzt noch vor etwa einem Jahrzehnt. Man fand lange Zeit noch Grenzsteine mit der Bezeichnung KP (Kurpfalz) und KB (Königreich Böhmen). Der Verlauf der Grenze wurde im oben aufgeführten Vertrag wie folgt beschrieben:

„…von dannen auf den Grießbacher Steig, hinführt der auf das Mayerbrünnlein hinter der ödn Parre, von dannen in den Haberbach, von dannen in die Öd reichenbach an das Hartberger… nämlich sollen waldsassischen Begehung die Grenze von Anfang der drei durchaus bis an die Öde und jetzt geraumte Wiesen Reichenbach gegen obgemeldete tachauerische Grenze, welche Anfahrt am Fürtlein, in den Holstein und endet in dem fichtenden Stock bei der Öde Reichenbach – nach Gelegenheit der Breite und Weite zerschlagen in Vierteln geteilt, dero drei Kron böheimb an die Herrschaft Tachau stoßend und der vierte Teil des Stifts Waldsassen, gegen Mähring und desselben Untertanen zustehenden und bleiben…“

Zur Herrschaft Tachau gehörte auch das Ringelberger Revier, welches die Gemeinde – und Staatsgrenze zu Bayern bildete. Im vorher angeführten Vertrag war die Rede vom Grießbacher Steig, der seinen Anfang im Ringelberger Revier nahm. Dieser „Steig“ wurde ehedem nachweislich als Übergang in die „Kurpfalz“ (Oberpfalz) benützt. Man durfte bis ungefähr 1806 alle am Körper tragenden Güter zollfrei mitführen. Es war ein altes Privileg , das auf Kaiser Karl der IV. zurückzuführen war. Er hatte ja eine Kurpfälzische Prinzessin zur Ehefrau erkoren und wollte damit seine Verbunden mit dieser Region unterstreichen. Das Revier wurde 1935 von der letzten Besitzerin Gräfin Aglae Apponyi de Nagy auf Palma , Ungarn ( + 25.04.1961 in Wien), Tochter des Fürsten Alfred III von Windisch – Grätz ( +23.11.1925 zu Tachau), an den Pilsener Industriellen Hugo Semmler, US – Staatsbürger, verkauft.

Steinbach

Der Bach entspringt südlich des bayerischen Grenzortes Grießbach und fließt in südlicher Richtung nahe der Staatsgrenze dem Reichenbach zu. Das Gewässer weist auffallend viele Steine auf und dürfte davon den Namen haben. Auf älteren Karten ist als Zufluß ein „Gansbach“ angegeben. Angenommen wird, daß an diesem Bach die mittelalterliche aufgelassene Ortschaft „Stainbach“ lag.

1 Reichenwiesen

Die etwa 8 ha großen Reichenwiesen liegen meist auf böhmischer Seite, welche ehemals extenstiv bearbeitet wurden. Diese waren u.a. im Besitz von Josef Häupl (Schöllerer), HsNr. 10 und Karl Bitterer (Konas),HsNr. 79 aus Galtenhof. Während der sogenannten Sudetenkrise im Jahre 1938 verließen einige bedrängte Bewohner des Grenzgebietes über diese Wiesen ihre Heimat, um in Bayern Sicherheit für ihre Person zu erlangen. Meistens waren sie mit Sensen und Rechen ausgestattet, um eine Erntehilfe vorzutäuschen. Die Tschechen hatten damals zusätzlich Soldaten zur Bewachung der Staatsgrenze eingesetzt, die auch von den Schußwaffen Gebrauch machten. Diese Flucht war also nicht ungefährlich. Heute hat der Wald große Teile der Wiese in Böhmen zurückgeholt, weil CR auf die wirtschaftliche Nutzung verzichtet

Fast mit Sicherheit kann man annehmen, daß es an den Reichenwiesen einst die Ortschaft Reichenbach gab. Der Ortsname weist darauf hin, daß die Siedlung am „reichen Bach“ lag (Brunner, Lanzendörfer). In den Wässern dieser Gegend gab es früher auch viele Perlmutter – Muscheln, weil das Wasser sehr rein und klar war. Im UrbTach hieß es: „… estlich des Fahren – Bach, der sich anfällt, bey der öde Pach und durch den Waldt… fließt.“ JK: „ am Reichenbacher Flüßl… bis zum Reichenbacher Flüßl.“ Die Chronik der Stadt Amberg enthält Einträge aus dem 13 und 16. Jh über eine Siedlung Reichenbach, die auf Zehentleistungen des Dorfes bei Hermannsreuth hinweisen (Brunner). Auch in der Beschreibung des Mähringer Forstes (zum Kloster Waldsassen gehörig) um 1614 gab es Hinweise auf diese Ortschaft. Diese lauteten: „… an der böhmischen Grenze hinter Griesbach, auf der Reichenbacher Wiesen, da wo es die Küche heißt, gräbt man jetzt noch nach Schätzen, am reichenbacher Rangen, sonst Goldschächtel genannt. Am Reichenbach sieht man noch Erz – Waschhalden. Im Verzeichnis der verschwundenen Orte im Bezirksamt Tirschenreuth , S. 504 ff, erscheint der Name Reichenbach bei Hermannsreuth (Brunner). Der Heimatforscher Josef Schnabel, Oberlehrer in Galtenhof, hat nach dem Standort der ehemaligen Siedlung noch vor dem Anschluß unserer Heimat an das Deutsche Reich geforscht, das vor allem auf bayerischer Seite mißtrauisch beäugt wurde. In der Chronik von Galtenhof, aus der Auszüge erhalten sind, heißt es: Westlich vom Grenzstein Nr. 31 sind die Reichenwiesen uneben und buckelig; kleine Hügel lassen auf darunterliegenden Mauerschutt schließen. Ein verfallener Graben einige Meter nördlich, längs des Baches mit einem entsprechenden Gefälle kann mit Sicherheit als Mühlgraben gedeutet werden. Der Standort der Mühle ist erkennbar. Auffallend ist ein ringförmiger Wall noch etwas weiter nordöstlich. In der Geschichte des Klosters Waldsassen von Johann Baptist Brenner findet sich auf Seite 77 folgender Vermerk: “Gunzmann, Bürger aus dachau (Tachau), besaß die ville Reichenbach bei Grießbach, gab sie auf Rat Gußmannes, Pfarrer in Peidl, dem Kloster Waldsassen wieder zurück, erhielt sie aber doch wieder aus Gnade zur lebenslänglicher Nutznießung.“ Auf Seite 275 ist als Grenze des Stiftes Waldsassen die „Öde Reichenbach“ angeführt. Der Chronist meint, daß der Ort im Dreißigjährigen Krieg untergegangen ist; er führt diese bedeutende Tatsache an, die als Beweis gelten soll: „ Am 15. Juli 1621 plünderten die Truppen Mansfelds Bärnau, Tirschenreuth und Waldsassen.“ Hierbei dürfte des Dorf Reichenbach mit zerstört worden sein. Der Heimatforscher Dr. Karl Lanzendörfer aus Tachau schreibt: „Das Dorf war im Besitz eines Tachauer Bürgers namens Gunzmann, der es in der Form einer Stiftung dem Kloster Waldsassen übereignete. 1464 wird das Dorf als Reychenbach erwähnt. 1654 führt die Örtlichkeit den Namen „Wise öedt Reichenbach im Behemmer Waldt.“

Der Ort Reichenbach hat somit tatsächlich bestanden. Daß so wenig übrig geblieben ist, macht auf das Schicksal der Orte Hermannreith, Baderwinkel, Paulusbrunn und Paulushütte im jetzigen Grenzgebiet aufmerksam. Auch von diesen Siedlungen ist heute nach nur 50 Jahren nichts mehr zu sehen.

2. Katzenbach (Gemeinde Galtenhof)

Der Katzenbach hat 5 Quellen. Der wasserreiche Bachlauf kommt von der Landesgrenze her (Baderwinkel). An diesem Wasser lag der Mühlweiher, das Hegerhaus und die Katzenmühle. Die Quellen entspringen am Katzenberg (715 m Sh) und vereinigen sich bei der Mühle , welche zuletzt nicht mehr in Betrieb war. Der Bach fließt letztendlich in nördlicher Richtung weiter, unterläuft die Straße von Paulusbrunn nach Galtenhof und mündet bei den Jägerhäusern – etwa 400 m nördlich des Edelweihers – bei Galtenhof in den Reichenbach. SK: „Katzenmühl, Inh. Margarete Steinhauser, Nr. 64, Müllerin.“ GenLk: „ Katzen – M.“ JGS: „Im Walde liegt am Katzenbach die Katzenmühle.“ Die Wasserkraftanlage wurde erst im 19. Jh erbaut und in den 1920er Jahren stillgelegt.“ JK: „ hat den FlN Katzenloh:“ Die Familie Steinhauser wurde im Jahre 1946 vertrieben.

Erlweiher

Der Teich ist 400 m lang und 120 m breit und der Damm ist bis zu 10 m hoch. ThK: „Herrschaftlicher Teich, irrlweyher genannt.“ SK: „Erlweiher, der Teich in der Erlenlohe ist sehr alt; er wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Um 1645 wurde er wieder bespannt.“ Am Weiher entstand das gleichnamige Waldhäuslerdorf, welches seit Anfang des 18. Jh unter den Namen Galtenhof bekannt wurde. Der Teichname wurde wahrscheinlich vom Erlengewächs abgeleitet, das in der Nähe in großer Anzahl vorhanden ist. Aus der „Irlohe“ wurde im Jahre 1663 in der Tachauer Pfarrmatrik beurkundet.

3. Galtenhofer Mühle

ThK: „Galtenhofer eingängige Mühle.“ JK: „Mühl fom Einem Gang.“, dem Mathes Träger… zu No 50 gehörig. JGS: „die Galtenhöfer und Haselmühl.“ WaW: „Galtenhhöfer und Hassel – Mahlmühlen an gleichnamigen Werkteichen.“ MüV: „ Galtenhof, Inh. Joh. Zünderer, M. eingängig, oberschlächtig, Gefälle 4 m, Leistung 6 PS.“ Die Benennung wurde vom Ortsnamen abgeleitet. Die Mühle lieferte ab 1929 auch Licht (Gleichstrom) für Galtenhof. Der letzte Inhaber Josef Zünderr ist am 17.01.1942 in der Ukraine an Fleckfieber verstorben. Die Familie Z. wurde 1946 vertrieben. Die Anlage wurde zerstört

4. Schindelsäge

Im 19. Jh war hier ein Glaspolierwerk, später eine herrschaftliche Schindelsäge tätig. MüV: „eingängig, oberschlächtig, Gefälle 4 m, Leistung 5,2 PS.“ Zuletzt wurden Holzformen hergestellt. Bis zur Vertreibung im Jahre 1946 wohnte hier die Familie Frank, HsNr. 66. Das Gebäude wurde bis zum Jahre 1997 als Gemeinschaftshaus mit Gaststättenbetrieb der Forstverwaltung und dem Uranabbau – Betrieb aus Tachov (Tachau) genutzt. Das Haus wurde 1997 durch fahrlässige Brandstiftung erheblich beschädigt; inzwischen wird es aber wieder als Gaststätte genützt. Es ist das einzige Gebäude am Reichenbach, welches nach 1946 erhalten blieb.

5. Mathildensäge

Dort war einst ein Zahnhammer. JK: „ obrigkeitliche Weiß an der alten Mühl.“ SK. „Zahnhammer.“ WaW: „ Fürstlicher Hochofen samt zwei Stabhämmer,“ wo im 19. Jh die Tachauer Herrschaft die Eisenverarbeitung versucht hat. In der Hammerschmiede wurde Zaine (dünne Metallstäbe) erzeugt. Nach dem Mißerfolg der Eisenwerke ist diese nach 1870 in eine Brettsäge , welche den Namen von der Fürstin Mathilde von Windisch – Grätz erhalten hat, umgebaut worden. Als der Inhaber die Tachauer Dampfsäge errichtete, wurde die Säge stillgelegt und das Haus zu einer Wohnung umgebaut. Später erwarb die Familie Häupel aus Paulusbrunn das Gebäude und betrieb darin eine Holzdrechslerei. Schlacken als Überbleibsel vom Hochofen waren auch zuletzt noch zu finden (vor allem auf den daneben liegenden Fußballplatz des FC Galtenhof). Die Familie H. wurde 1946 vertrieben. Die Anlage wurde durch die Grenztruppen zerstört.

Haselbach

Ein 5,2 km langer Zufluß zum Reichenbach, welcher an den Abhängen des Steinberges (751 m Sh) entspringt und in südlicher Richtung weiter fließt. Das Gebiet nannte man auch zu den „drei Flüßen.“ Durch die „Schwarze Lohe“ am „Kaltenbrunen“ (JK) läuft das Wasser nahe der Schutzzone für die Brunnen der Tachauer Wasserleitung vorbei. Die Flur heißt „Hellohe bzw. Haßlohe“ (JK). Von rechts mündet dann das sogenannte „Hussenbächlein“ das im JK „beym Hussenbachl“ genannt wird. Der Sage nach soll der frühere Grundherr von Tachau, Husman von Namedy und Ringolei, Rheingau, dort öfters gelagert haben. Die benachbarten nassen Wiesen trugen den Namen „Hussenlohe“, die nahe Quelle hieß Hußenbrunnen; westlich davon befindet sich der „Hussenberg“ (672 m Sh). Etwas einen halben km Bach abwärts mündet von links aus der Säufleckflur kommend das „Säufleckgrabenbachl.“ Dann unterquert der Bach eine Brücke, wo der Waldweg von Ringelberg nach Griesbach (Bayern) verläuft. Dieser Weg wurde früher als Grenzweg benutzt. Die umliegende Flur hieß „Brucklohe.“ Unweit davon, fast an der Staatsgrenze , lag die höchste Anhöhe der Gemeinde Ringelberg, der „Altarstein“ (707 m Sh). Heute heißt der Berg „Oltar“ und ist mit 710 Sh auf den Karten angegeben (die Vermessung erfolgte früher von der Adria aus, heute dagegen von der Nordsee) .Der Name wurde von einem großen Steingebiet abgeleitet, welcher die Form eines Altars hat. Die Sage berichtete, daß dort unsere Vorfahren in frühen Zeit eine Kultstätte hatten, was aber unwahrscheinlich ist. Das Wasser fließt zum Haselteich weiter. In der Nähe des Teiches befand sich das sogenannte Jägerhaus, das Forsthaus des Ringelberger Reviers (Forsthaus am Thörl genannt). Es war nach 1935 der Sommersitz des US – Amerikaners Hugo Semmler. Dieser verließ bereits im Frühjahr 1938 die csl – Republik und ging nach den Staaten zurück. Das Haus wurde später als Müttergenesungsheim des Reichsgaues Sudetenland genutzt. Ein Verwandter des Industriellen kam als Besatzungssoldat wieder und machte die Bewohner unserer näheren Heimat darauf aufmerksam, daß sie alle ausgesiedelt werden würden. Niemand glaubte dies!

Hugo Semmler bekam seinen Besitz nicht mehr zurück, obwohl er US – Staatsbürger war. Die Beschlagnahme blieb aufrecht, bis heute.

Tachauer Hochdruckwasserleitung

Mit dem Bau der Wasserleitung, dessen Quelleneinzugsgebiet im Ringelberger Revier liegt, wurde die Firma Bill und Co, Reichenberg / Teplitz – Schönau beauftragt, nachdem der Revierinhaber, Fürst Alfred III von Windisch – Grätz, auf seine Wasserrechte kostenlos verzichtete. Im Jahre 1923 wurde mit dem Bau begonnen und 1924 war die Baumaßnahme abgeschlossen. 12 Quellen lieferten das vorzügliche Wasser, welches zu turm artigen Schutzhäusern weiter floß. Gesammelt wurde das Wasser im sogenannten Wasserschloß, nachdem es von verschiedenen Filtrieranlagen durch Kies, Sand u.a. gereinigt worden war. Von dort trat es den Weg zur Stadt Tachau an. Die Wasserleitung berührte zunächst den Ortsteil Jägerhäuser in Ringelberg , wo einige Haushalte direkt angeschlossen waren, floß an Hals und Stiebenreith vorbei zum Hochbehälter am Galgenberg in Tachau, ehe es an die Tachauer Haushalte abgegeben wurde.

HAselteich

Der Teich ist 3,97 ha groß; der Inhalt beträgt 30 Tcbm Wasser. Träumerisch und still liegt er mitten im Wald des Ringelberger Reviers, welches heute dem tschechischen Staat gehört. . JK: „Haaßlweyher.“ SK: „Teich Hassel.“ JGS: „ an dem Haselteiche gelegen.“ Die Bezeichnung stammt vom durchfließenden Bach. Heute befindet sich der Weiher in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet , worin nichts verändert werden darf. Der Teich beginnt langsam zu verlanden, weil auch dort der Wasserspiegel wegen des Trinkwasserstausees bei Sorghof (von dort bekommt heute die Stadt Tachau das Trinkwasser) abgesenkt wurde.

Ruhbergweiher

Der Teich lag einst im Bereich des Berges „Ruhberges“ (638 m Sh), auch „Gosterl“ genannt. Dort führte früher der „alte Griesbacher Steig“ vorbei. Sein Name wies auf eine Ruhestätte hin, wo die Zugtiere wegen des starken Anstiegs rasten mußten. TachUrb: „Griesbacher Ruhstatt.“ Der Weiher ist nicht mehr aufzufinden, weil dessen Damm um 1875 zerstört wurde

(starker Wolkenbruch in unserer Gegend).

6. Haselmühle (spätere Adlerfabrik)

(Oberer Ruhberg) JGS: … obrigkeitliche Eisenhämmer, ein anderer am Thörl… Letzterer konnte nur am Haselbach gelegen sein, der den Ortsteil Thörl tangierte. Ein anderer Bach als Antriebskraft war am Thörl nicht vorhanden. Die Haselmühle lag etwas seitlich unter dem Ruhberg (Gosterl) mit der später aufgelassenen Brettsäge. Im eigentlichen Mühlgebäude war zuletzt die Familien Bock (HsNr. 86), im Hause nebenan (HsNr. 50) eine Familie Roth. MüV: „Galtenhof Nr. 53 ?, Inhaber Rudolf Adler, Perlmutter – Knopffabrik, 1 Francisturbine, Gefälle 5 m, Leistung 6 PS.“

Als letzter Hammerschmied in der nahen Umgebung war im 19. Jh ein J. Roth tätig. Am Thörl gab im HsNr.27 ein Anwesen mit dem Hausnamen „Hoamaschmied“. Der Hausname deutete bei uns oft auf den einstmals ausgeübten Beruf der Vorfahren hin. Der letzte Namensträger war der Agustin Roth (Hoamaschmiedgustl), der am 30.04.1944 dort verstarb. Seine Ehefrau Theresia (Franznvei(t)nresl wurde zwar in Hochofen bei Bruck am Hammer (Bezirk Plan bei Marienbad ) geboren, kehrte aber mit ihren Eltern im Kindesalter (nach Auflassung des Hochofens in Hochofen bei Bruck a.H.) nach Galtenhof zurück (+ 1939). Nahe Verwandte von ihr waren auch weiterhin in der Eisenindustrie tätig, u.a. ihr Onkel Josef Roth, der als Walz – und Gießermeister in Potschawl bei Prag beschäftigt war. Der letzte Hammerschmied könnte im nachgewiesenen Hochofen (spätere Schindelsäge), der Haselmühle oder am Neu – bzw. Ruhberghammer in Ringelberg tätig gewesen sein, welche alle im 19. Jh ihre Eisenproduktion aus den bereits vorher erwähnten Gründen einstellen mußte, weil anderen Orts (Josefihütte, Holleischen usw) bereits Kohle als Heizmaterial verwendet wurde. Die in unserer Gegend gewonnene Holzkohle hatte als Brennstoff für Verhüttungszwecke ausgedient. Gustav Roth war mein Großvater mütterlichseits. Leider ist durch die Vertreibung die aufgezeichnete Familiengeschichte verloren gegangen; beim Einmarsch der Amerikaner wurde das Anwesen Nr. 27 mit anderen Gebäuden in Brand geschossen und wurde wegen der Vertreibung nicht wieder aufgebaut.

Adlerfabrik

Die Gebrüder Friedl (auch in Ringelberg noch „ Hoslmüllner“ genannt), verkauften im Jahre 1898 ihren Betrieb an Heinrich Adler aus Tachau (+ 1928) und erwarben anschließend von der Tachauer Herrschaft die „Siebermühle“ in Ringelberg. Der neue Besitzer richtete im aufgelassenen Mühlgang einige Drehbänke ein und vergrößerte so nach und nach den Betrieb, der infolgedessen einer stärkeren Wasserkraftanlage bedurfte. Der 2. Mühlgang war aber noch bis 1927 im Betrieb. Der offen zulaufende Haselbach wurde zusätzlich aufgestaut. Aus dem bisherigen „Lachl“ wurde der sogenannte „Heinrichsweiher.“ Von dort wurde das Wasser der neu installierten Turbine (Francis) zugeführt, die dann mit weit größerer Kraft arbeiteten konnte. Nachdem sein Sohn Rudolf den Betrieb übernommen hatte, wurde noch zusätzlich eine Dampfmaschine angeschafft. Wegen der guten Geschäfte wurden immer wieder neue Arbeiter eingestellt und die Fa. R. Adler war der größte Arbeitgeber in unserer Gegend gewesen. In den besten Jahren waren bis zu 200 Personen und eine große Anzahl Heimarbeitern beschäftigt. In den 30er Jahren erwarb Rudolf Adler auch die „Prinzfabrik“ (zwischen Hinterpaulusbrunn und der Paulushütte) – direkt an der Staatsgrenze auf bayerischem Gebiet gelegen. Um 1937 mußte der Betrieb aus Konkurenzgründen hauptsächlich auf die Bearbeitung von Holz umgestellt werden. Aber auch Kunstharz (Pristall) und Galalith wurden bearbeitet. Rudolf Adler verstand es, auch in Krisenzeiten, Arbeit zu beschaffen und war für seine Zeit ein fortschrittlicher Arbeitgeber. Sein Sohn Thomas und seine Schwester besuchten die Volksschule in Galtenhof und waren in der Gemeinschaft integriert. Aufgrund der sich anbahnenden politischen Änderungen verließ der Fabriksbesitzer bereits im Frühjahr 1938 unsere Heimat und siedelte nach England über, wo er einen modernen Betrieb gründete. Er konnte einen Teil seiner Maschinen noch über Hamburg ausführen und übergab den beiden Angestellten Beer und Zeidler (Sorghof / Brand) kommissarisch den zurückgelassenen Betrieb. Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde die Produktion sogleich auf die Kriegswirtschaft umgestellt und im Laufe der Zeit wegen Arbeitskräftemangels ganz eingestellt. Im hohen Alter übergab Rudolf Adler den Betrieb in England seien Sohn Thomas und der Tochter Dorothea. Inzwischen haben bereits ihre Kinder und Enkel die Leitung des modernen Werkes übernommen. Die Adlers konnten im Jahre 1998 das einhundertjähriges Bestehen feiern. Rudolf Adler selbst war einige male am Bergfest in Bärnau anwesend. Sein Auto (Rolls – Royce) fiel immer wieder auf. Nach unserer Vertreibung diente die Fabrik zunächst als Kaserne für die csl Grenztruppen, bis die jetzige Unterkunft zwischen Galtenhof (Branka) und dem Wittichstal bei Paulusbrunn bezogen wurde. Ende der 50er, anfangs der 60er Jahre, wurde die Adlerfabrik total zerstört . Heute findet man nur noch Gestrüpp und kleine Bäume auf dem ehemaligen Fabriksgelände.

7. Egerer – Junghansfabrik

Unterhalb der Adlerfabrik lag die Perlmutter – Knopffabrik Egerer, die zuletzt Karl Junghans (der Schwiegersohn des Gründers) aus Sorghof leitete. Andreas Egerer war der erste Werkführer der Adlerfabrik und gründete den Betrieb. Die Fabrik lag direkt an der Bezirksstraße zwischen Tachau und Bärnau (heute S 199) und hatte die HsNr. 57 der Gemeinde Galtenhof. Die weiter südlich davon gelegenen Wiesen trugen den Namen „Miesloh“. Die Anlage wurde von csl – Grenztruppen total zerstört. Die Familie Junghans wurde 1946 vertrieben.

8. Neuhammer

Die Gründung des Neuhammers ist nicht bekannt. SK: „Neuhamer.“ MüV: „Inhaber Johann Kaßeckert, Ringelberg Nr. 77, Drechslerei, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 4,2 m, Leistung 4,2 PS. Die einstige Hammerschmiede wurde im 19. Jh zu einem Glaspolierwerk umgebaut, nachdem der Hochofen am Irlweiher stillgelegt worden war. In unmittelbarer Nähe befand sich auch ein Gypsofen, der zur Glasschleife gehörte, wo auch Pottasche hergestellt wurde. Der Neuhammer befand sich früher im Besitz der Tachauer Herrschaft und wurde später – wie andere kleine Industriewerke – verkauft. Dieser Zeitpunkt ist nicht bekannt. Der Betrieb wurde schließlich zu einer Holzdrechslerei umgebaut und ist im Jahre 1937 abgebrannt und nicht mehr wiederaufgebaut. In der Mundart sprach man früher vom „Ludwign.“ Sie wurden auch Schleiferer genannt. Es war ein Hinweis auf den früher ausgeübten Beruf in der Glasindustrie. Diesen Hausnamen gab es in Ringelberg noch bis zur Vertreibung (Armann). Nunmehr befindet sich auf dem freien Gelände vor dem ehemaligen Werk ein Jugendlager der Pfadfinder( in den Sommermonaten). Reste vom ehemaligen Gebäude sind noch sichtbar. Von dort führte auch ein direkter Weg nach Thiergarten.

Rumpel

Etwa 1km Bach abwärts weist der Reichenbach ein verhältnismäßig großes Gefälle auf und das Wasser stürzt mit tosenden Gebrause über große Steinblöcke etwa 10 m ab. Der Bach nimmt dadurch erheblich an Geschwindigkeit zu. Die nachfolgende Betriebe nutzten dies zur Erhöhung der Antriebskraft ihrer Betriebe aus. Man kann von einem kleinen Wasserfall sprechen.

9. Ruhberghammer

JGS: „Ringelberg)… ein Theil desselben heißt Unter – Ruhberg, hat 2 obrigkeitliche Eisenhämmer, ein anderer am Thörl.“ Die genaue Gründung ist nicht bekannt. JSch: „Ringelberg hat 51 Häuser.“ Nachdem in Jahre 1771 die Hausnumerierung eingeführt wurde und der Ruhberghammer die HsNr. 63 von Ringelberg hatte, muß die Gründung später (nach 1771) angesetzt werden. Vom Hammerschmied wurde das Eisen des Hochofens vom Irlweiher (Galtenhof) bearbeitet, später vom Hochofen aus Sorghof (Houma). Die Gebäude vom Ruhberghammer wurden später als Glaspolierwerk bzw. der Glasschleiferei genutzt und im Laufe der Zeit (der Zeitpunkt ist nicht bekannt) aufgelassen. Das Werk befand sich etwa 150 m Bach aufwärts des noch bis zuletzt bestehenden Wohnhauses der Familie Fenzel. Reste des Werkes waren noch in den 20er Jahren festzustellen. Man konnte noch Überbleibsel von der Glasherstellung bis zuletzt finden. Das Wohngebäude diente eine geraume Zeit als Arbeiterunterkunft und wurde vorübergehend als eine Art Waisenhaus der Fürstin Eleonore von Windisch – Grätz benutzt, bis die Fürstin in Tachau das „Elionorenheim“ gründete, eine sogenannte Kinderbewahranstalt (eine Art Waisenhaus). Der Besitz ging um 1910 an die Herren Fenzl und Rauch über. Ersterer wohnte bis zur Vertreibung im Jahre 1946 noch dort. Das Gebäude wurde um 1950 total zerstört. Nur ein Teil der früheren Obstbäume sind im früheren Garten heute noch zu sehen.

Wuselbach – auch Kromerebach

Dieser fast 4 km lange linker Zufluß des Reichenbaches entspringt in 665 m Sh südlich vom Steinberg (Gemeinde Planerbrand) und fließt in südlicher Richtung durch den dichten Wald des Ringelberger Reviers. Seinen Unterlauf überqueren 2 Brücken der Landstraße, wovon ein Weg zur alten „Pernauer Straße“ – von Tachau herkommend – in die Kurpfalz führte. Der Überlieferung nach hat man bereits im Mittelalter die links liegende Quelle der oberen Brücke als Tränke für die Saumtiere benützt, daher auch der Name „Mauleselbach.“ UrbTach: Wußl Bach.“ JK: „Wies am Wuslbachl.“ FlN „Wußllohe.“ SK: „FlN Wuselwiesen… Kromere.“ Letzterer ist auch als Flurname im Kataster des Bezirksgerichts (Amtsgericht) in Tachau zu finden. Diese Wiesen wurden bis zuletzt genutzt; sie waren aber vom Ortsteil Kromere fast 1 ½ km entfernt. Der Bach mündet zwischen dem Ruhberghammer und der Schuhleistenfabrik (Breinlfabrik) in den Reichenbach.

10. Breinlfabrik – ehemalige k.u.k Schuhleistenfabrik

Die ehemalige k. u. k. Schuhleistenfabrik (auch Stiefelleisten – Fabrik), HsNr. 92 von Ringelberg, liegt in 558 m Sh und war seinerzeit ein ganz modernes Industriewerk. MüV: „ Inh. Anton Breinl, Holzdrechslerei, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 4,3 m, Leistung 4 PS.“ Die Anlage wurde 1866 durch Karl Hösl , Hüttenmeister aus Promenhof, Bezirk Plan bei Marienbad, errichtet. Nach dem 1. Weltkrieg haben die Gebrüder Träger (Siewa, HsNr. 10) aus Ringelberg den Betrieb in eine Holzdrechslerei umgewandelt. J. Träger war bis zum Ende des 1. Weltkrieges Oberstleutnant in der k. u. k. Armee gewesen und wurde als Deutscher nicht in die csl Streitkräfte übernommen. Er war Regimentskamerad des Fürsten Alfred III von Windisch – Grätz, welcher zuletzt Präsident des Herrenhauses der Monarchie (etwa 2 Kammer) in Wien war. Nach der damaligen Sitte waren beide als Offiziere „ per Du.“ Sie dienten zuletzt in der Festung Theresienstadt, nördlich von Prag. Der Fürst war der letzte Kommandant der alten Festung. Dort war auch der Attentäter des Kronprinzen Franz Ferdinand und seiner Gattin Gräfin von Hohenberg und seine Komplizen untergebracht. Der Bruder von J. Träger, Franz, war Gast – und Landwirt und bis 1919 Ortsvorsteher (Bürgermeister ) der Gemeinde Ringelberg. Über das Werk berichtete man:

„Zwei sogenannte Kopierbänke der Fa. Freitag aus Antonstal in Sachsen waren dort aufgestellt, worin roh ausgeschnittene Leisten aus Buchenholz (meist Rotbuche) nach ausgelegten Mustern genau abgedreht wurden. Die Profession eines Schuhleistenhackers (welcher die ersten Stücke des Leistens bearbeitete) war ein Lehrberuf (die Lehrzeit dauerte 3 – 4 Jahre). Der Hacker arbeitete auf eigene Rechnung und war daran interessiert, viele Rohlinge aus dem geschnittenen Stamm heraus zu arbeiten.

Erst dann begann die Tätigkeit der Kopierbänke. Die entsprechenden Muster kamen aus allen Herrenländer der Welt. Meistens aus Paris, London, Rom, Konstantinopel (Istambul), St. Petersburg, New York u.v.a.m. Die Fabrik verarbeitete jährlich 500 – 600 Klafter Buchenholz. Bis zu 40 Arbeiter aus Ringelberg und Umgebung fanden dort Arbeit und Brot. Josef Bock aus Brand bei Tachau hat im Laufe der Zeit als fast genialer Erfinder Verbesserungen vorgenommen, die allen großen Nutzen brachte. 1890 pachteten die Herren Schüffl und Altenöder aus Tachau den Betrieb und leiteten diesen bis zum Weltkriegsende. Die gute Konjunktur der vorher angeführten Produktion nahm ein Ende. Der Export fiel fast gänzlich weg und die Leisten wurden mehr und mehr aus Metall gefertigt. Nach und nach wurde die Fertigung aus Holz ganz eingestellt. In unserer Gegend hat nur die Fa. Kroha im Aglaienthal bei Tachau die Fertigung aus Buchenholz beibehalten. Im Jahre 1927 brannte der obere Teil des Werkes ab. Der Betrieb wurde später von Anton Breinl aus Tachau erworben. Dieser baute alle Räume wieder auf, erneuerte den Dachstuhl und errichtete ein zusätzliches Stauwehr für die anschließend angeschaffte Francisturbine.

Im 2. Weltkrieg wurde der Betrieb sofort auf die Kriegswirtschaft umgestellt und man produzierte fast ausschließlich Rüstungsgüter. Nach dem Kriegsende übernahm ein „Spravce“ (amtlicher Verwalter) namens Milacek den Betrieb, der sofort für den Export tätig wurde. Mit der Vertreibung der Bevölkerung mußte die Fertigung eingestellt werden, weil die Nachkommenden die fällige Arbeit nicht verrichten konnten. Anton Breinl übersiedelte nach Bärnau / Oberpfalz, wo er seit den 20er Jahren einen kleinen Betrieb innehatte. Er starb 1957, seine Frau Felizitas, geb. Mattausch aus Neuzedlisch am 27.06.1985 hochbetagt ebenfalls in Bärnau. Heute findet man vom Werk keine Überbleibsel mehr; es wurde um 1950 von den csl Grenztruppen gänzlich zerstört. Die oberhalb davon liegende Breinlvilla wird heute vom Forstamt Galtenhof (Branka) als Wohnheim für Waldarbeiter oder ähnliches genutzt; die Villa befindet sich in einem schlechten Bauzustand.

11. Siebermühle (Siewamühl)

HsNr. 79 von Ringelberg. MüV:“ Inhaber Josef Friedl, Müller, eingängig, mittelschlächtig, Gefälle 3,5 m, Leistung 4,6 PS.“ Sein Bruder Franz ist im Jahre 1915 in Rußland gefallen. Im Jahre 1935 hat der Tachauer Josef Deglmann dort mit der Holzformen – Ffabrikation begonnen. 1938/39 erwarben die Herren Fritsch und Härtl aus Sorghof den Betrieb, welche für die Bearbeitung der Holzformen schon Halbautomaten einsetzten. Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde der Betrieb auf die Kriegswirtschaft umgestellt und es wurden meist Handgranatenstiele und Munitionskisten gefertigt. Wilhelm Fritsch ist am 13.04.1944 in Schweinfurt, Unterfranken während eines Fliegerangriffs tödlich verletzt worden. Beide Familien wurden im Jahre 1946 von ihren Besitz vertrieben. Josef Härtl starb 1954 in Hungen bei Gießen (Hessen). Um 1950 wurde das gesamte Gebäude von csl Grenztruppen total zerstört. Von der Siebermühle aus führte ein Weg zu den Häusern vom Blätterberg der Gemeinde Thiergarten. Bach abwärts folgte das Ascherlwerk, die sogenannte frühere Thiergartener Säge.

12. Ascherlwerk

Das Werk lag in 544m Sh und war früher ein Glaspolierwerk der Glasdynastie Ascherl. Die Anlage wurde später zu einer Holzdrechslerei umgebaut. Der letzte Besitzer war Herr Junghans aus Sorghof (Houma), der letzte Betriebsleiter Wenzel Judas (Honlwenzel). Im Mühlverzeichnis hieß es: „Thiergarten Nr. 52, Inhaber Heinrich Adler, Dreherei, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 3,6 m, Leistung 3,5 PS.“ Vom Ascherlwerk erhielt ein Teil von Ringelberg (Wallerhäuser und Häuser) elektrisches Licht (Gleichstrom). Der Bachlauf führte zu den Bachhäusern (Thiergarten) und nach Sorghof weiter. Die Anlage wurde um 1950 von den csl Grenztruppen total zerstört.

Gemeindebach

Linker Zufluß zum Reichenbach. Dieser entspringt in den Moorwiesen beim Hirschenteich (Gemeinde Hals) und unterquert die Bezirksstraßenbrücke Ringelberg – Hals (heute S 199) in südlicher Richtung. JK: „Halsauer Grenzbach.“ Er bildet aber die Grenze zwischen Frauenreith und Ringelberg. Der Bach mündete unterhalb des Frauenreither Gemeindewaldes nach der Bezirksstraßenbrücke Bachhäuser – Frauenreith in den Reichenbach. Heute fließt dieser in die nördliche Bucht des „Lucina Stausees.“ Seit der Errichtung dieses Trinkwasserspeichers für Tachau im Jahre 1975 liegt die abwärts gelegene Mündung unter dem Wasserspiegel. Der Bach wurde nicht gewerblich genutzt.

Paulusbrunnerbach (auch Schmucker – und Flötzbach genannt).

Der Bach ist ein rechter Zufluß des Reichenbaches und entspringt beim Schmuckerhof im Bereich des Schmuckerberges (Bayern) und fließt an den Franzenhäusern (1950 total zerstört) vorbei zur ehemaligen Paulusbrunner Brettsäge. JK: „Waldhäusel samt Mahlmühle, sub Nro. 43, den Josef Seitz… gehörig.“ SK: „ Drechslerei.“ MüV:“ Paulusbrunn, Nr. 142, Inhaber Franz Seitz, Drechslerei, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 3,8 m, Leistung 2,3 PS.“ Dieses Sägewerk, das einst eine Mahlmühle war, wurde im 19. Jh zu einer Drechslerei umgebaut. Heute ist nichts mehr davon zu finden. Im weiteren Verlauf unterquert das Wasser die beiden Landstraßenbrücken Paulushütte – Galtenhof und Paulusbrunn – Thiergarten. Dann kommt das Wasser vom Flötzbach dazu.

Flötzbach

Der Bach entspringt in 710 m Sh in der Steingrittflur an der bayerischen Grenze und fließt in nordöstlicher Richtung weiter. Im oberen Abschnitt trug das Wasser den Namen „Rotbach.“ Bach abwärts wird der Weiler Paulushütte (Gemeinde Thiergarten) erreicht, welcher 1950 total zerstört wurde.

Paulushütte

Lanz: „die hiesige Glashütte wurde um 1740 von J. M. Fuchs erbaut.“ JK: „Paulusbrunner Glashütte… zwei Flußhütten, 2 Sandbucher…“ Die Produktion der Hütte wurde 1810 stillgelegt. Die 14 Waldhäuseln der kleinen Ortschaft, wo im 18. Jh die Glasarbeiter, sogenannte „Laboranten“ wohnten, waren zumeist nicht sehr stabil errichtet. Die Ortschaft wurde total zerstört Etwas unterhalb der Ortschaft kam der kleine Billohbach dazu. Dieser entspringt an der Grenze und berührte eine Mühle in der Brentlohe. MüV: „Paulusbrunn Nr. 109, Inhaber Karl Friedrich, M. und Dreherei, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 5 m, Leistung 2,7 PS.“ Den Namen Roter Bach bekam der Wasserlauf vom roten, eisenhaltige Moorboden. JK: „ beim rothen Bach.“ SK: „Rothe Bachl.“ Im weiteren Verlauf berührt das Wasser die Paulusbrunner Mühle in 700 m Sh. In der Purschauer Matrik von 1697 hieß es:“ Johann Georg Seitz, Müllner. JK: „Waldhäusel des Josef Seitz, Nro 37… samt Mahlmühle, Brettschneidseege…“WaW.“ Paulusbrunn Nr. 37, Inhaber Anton Kaßeckert, Mahl -und – Sägemühle, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 4,8 m, Leistung 3,5 PS.“ Abwärts davon war der Name Paulusbrunnerbach wieder geläufig. Das Wasser floß dann zur oberen Stockmühle, welche 1925 aufgelassen wurde. Es folgte die Untere Stockmühle, die nach dem 1. Weltkrieg abgetragen wurde. Der Bach berührte nunmehr zur Viktoriasäge. MüV:“ Thiergarten Nr. 69, Inhaber A. Windisch – Grätz, Schindelsäge, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 7,2 m, Leistung 7,5 PS.“ Die Säge erhielt ihren Namen zur Ehrung einer Verwandten der Fürstenfamilie, nämlich der englischen Prinzessin Viktoria (1840 – 1901), die spätere Gattin des Deutschen Kaisers Friedrich III. Von rechts kam nun das Anleitenbächlein dazu, welches im Wald am Tellerberg entsprang. Am Jägerhaus Thiergarten vorbei, fließt das Wasser der „Flötz“ zu. Nunmehr berührt der Bach die „Heyrowky – Säge in 554 m Sh. MüV: „Thiergarten Nr. 68, Inhaber Rudolf Weigel, Dreherei, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 5m, Leistung 2,2 PS.“ Das um 1880 erbaute Sägewerk wurde nach dem herrschaftlichen Forstdirektor Adolf Heyrowky, welcher bis 1897 im Dienste des Fürsten von W. – G. war, benannt. Das Wasser kommt nunmehr zur Sorghofer Mühle. SK: „ Sorghofermühle … Veit Steiner, Müller.“ JGS: „ die Sorghofer Mühle.“ WaW: „ Sorghof an der Mistlau… abs. Sorghofermühle.“ MüV: „ Sorghof Nr. 8,Inhaber Joh. Steiner, M. und Josef Junghans, Dreherei, zweigängig, oberschlächtig, Gefälle 4,4 m, Gesamtleistung 9,1 PS.“ In Thiergarten wurde diese die untere Mühle genannt . Das Wasser erreicht nunmehr die Häuser des Weilers die“ Flötz.“ Die umliegenden Wiesen hießen „Flötzwiesen“ und manchmal „Flötzflur“.“ Es folgt der Sorghöfer Teich. Dieser war 2,5 ha groß und hatte 25 Tcbm Inhalt. Nunmehr kommt der Bach zur Zeugmühle, welche heute unter dem Wasserspiegel des Stausees liegt. In dieser Anlage wurde einst das „Zeug“, ein feines Gewebe und Mehlbeutel hergestellt. Um 1935 wurde die Mühle stillgelegt, nur die Drechslerei arbeitet weiter. Alle Anlagen wurden um 1950 zerstört.

Rotwiesenweiher

Dieser Teich hatte den Namen von den umliegenden Rot – oder Ratwiesen. ThK: „die Rothwies.“ Unterhalb des Weihers befand sich der Hammergraben mit dem 3 Hämmern (so auch im SK). 1838 waren da 3 hölzerne Häuser, welche wahrscheinlich zu den einstigen Häusern vom Houma ( so wurde Sorghof auch genannt) gehört haben. Etwa 100 m Bach abwärts war die Mündung des (Flötz) – Paulusbrunnerbaches bei der Zeugmühle im alten Lauf des Reichenbaches.

13. Sorghof

Das ehemalige Dorf liegt seit 1975 fast ganz unter dem Wasser des Stausees. Im 19. Jh war dort eine blühende Eisenindustrie anzutreffen. JGS: „Sorghof… 3 Stabhämmer, 2 Zainhämmer, 1 Blechwerk und 1 Verzinnhaus… das erste Hammerwerk wurde hier vor mehr als 100 Jahren von der Familie Frank erbaut und kam 1797 in den Besitz der Herrschaft…“ WaW: „Sorghof an der Mistlau… Hochofen nebst 5 Stab-, 2 Zain-, 8 Blechhämmer und ein Zinnhaus.“ Der Überlieferung nach hat G. Hilarius Frank hier um 1740 mit der Eisenverhüttung begonnen. Nach ihm hieß die erste Anlage Hilarihammer. Die Herrschaft hat in den Jahren 1797 – 1845 die Eisenverarbeitung wesentlich erweitert. Die Schwierigkeiten mit der Erzzufuhr und die Konkurrenz verursachten das Ende der Erzeugung um 1870. Ein Teil der Werke hat man anschließend zu Gglas – industriellen Zwecken genutzt (Glaspolierwerk Houma). Aber auch diese wurde im 20. Jh stillgelegt. Im ehemaligen Hammer, HsNr. 3, hat die Firma Fleißner ein Kraftwerk errichtet, das bis 1946 in Betrieb war. Die Familie Fleißner wurde 1946 vertrieben. Von rechts kam ein Rinnsal vom Holinghof, von links das Tradlbachl zum Reichenbach, geflossen.

Pocher

Die ehemalige Anlage zum Klopfen von Erz und Kies für die nahe Eisen -, später Glasindustrie wurde im 19. Jh zu einem Wohnhaus umgebaut. Der letzte Besitzer war F. Gruber, der 1946 vertrieben wurde. Auch diese Anlage wurde 1946 zerstört. Etwa 100 m Bach abwärts mündete der Schönwalderbach. Von da an nimmt der Reichenbach den Namen Flusses „Mies“, manchmal auch „Miesa“ genannt, an.

Aglaiental

Das Tal bekam den Namen zu Ehren der Prinzessin Aglae von Windisch – Grätz im Jahre 1839 verliehen. Sie lebte von 1818 – 1845.

14. Waffenhammer

UrbTach: „Hammer unterhalb Mauttorff.“ Tachauer Matrik: 1673: „Eißenhammer.“ ThK: „Waffen Hammer.“ JGS: „ der dem Josef Schmidtgand gehörige Waffenhammer, welcher Sensen, Sicheln, Sägen, Hacken, Schaufeln etc. liefert.“ MüV: „ Mauthdorf Nr. 35, Inhaber J. Vrana, M. und Leistenerzeugung, 1 Girardturbine, Gefälle 3 m, Leistung 9,3 PS.“ Die alten Eisenwerke (1760 standen 2 da Hämmer) dienten auch der Erzeugung von blanken Waffen. Ende des 19. Jh wurde das Werk zu einer Mühle umgewandelt, in der man sich aber von 1918 an mit Drechslerarbeiten beschäftigt hat. In den 30er Jahren wurde eine Gastwirtschaft eingerichtet, welche sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Tachau und Umgebung entwickelte. Die letzten Besitzer waren Angehörige der Familie Vrana. Diese siedelten anfangs der 50er Jahre nach Österreich aus. Als östereichische Staatsbürger waren sie von der Vertreibung verschont geblieben. Die Anlagen wurden vor der Errichtung des Stausees zerstört.

Lucina Stausee (Vod nadrz Lucina)

Der Stausee liegt in 534 m Sh und dient der Stadt Tachau (Tachov) und der näheren Umgebung als Trinkwasserspeicher. Er wurde 1974/1975 errichtet und am 16.05.1975 in Betrieb genommen. Die Baukosten betrugen 60 Mio Kc. Der Stausee ist 80 ha groß, der Wasserinhalt beträgt 3,5 Mio cbm, maximal 5,2 Mio cbm, die Tiefe beträgt 20 m, der Steindamm ist 21 m hoch, die Kronlänge beträgt 173 m, der Durchfluß ist auf 2,03 cbm /Sek. festgelegt. Der Stausee überschwemmte die Zeugmühle, die Flötzflur, den größten Teil des Dorfes Sorghof, den Pocher, den Waffenhammer und das Krohawerk.

15. Krohawerk

Genlk von1893 :„Aglaienthal oder Spiegelschleife.“ MüV: „ Frauenreith Nr. 31, Inhaber Johann Kroha, Leistenerzeugung, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 4,5 m, Leistung 17,8 PS.“ Die Anlage war im 19. Jh eine Glasschleife der Fa. Fleischner, welche 1906 der Sorghöfer Hans Kroha aufkaufte und zu einer Dreherei und Schuhleistenfabrik umbaute. Bis zu 150 Arbeiter wurden dort beschäftigt. Die Familie Kroha wurde 1946 vertrieben. Die Anlage vor der Errichtung des Stausees zerstört.

Brutweiher

THK: „Bruttweyher.“ JK: „ Paulaner Brutteucht.“ Teichverzeichnis: „Brudweyher gegen die Eisenhämmer.“

Spiegelfabrik Heiligen

JGS: „174 von hier ist das neue obrigktl. Blechwalzwerk.“ SK: „Blechwalze.“ WAW: „Heiligen, abs. fürstl. Blechwalzwerken.“ Fürstl. Blechhammer der Sorghofer Werke. Die Anlage war im 18. Jh eine Hammerschmiede, die 1883 zu einem hftl. Walzwerk ausgebaut wurde. Nach dessen Niedergang wurde sie zu einer der Glasschleife, dann zu einem Wohnhaus der Familie Glasauer, umgebaut. Die Anlage wurde zerstört.

Lohbach

Dieser von rechts kommende Zufluß entspringt bei Helldroht. Der Wasserlauf windet sich durch die Wiesen in nordöstlicher Richtung zur ehemaligen Himmelmühle. ThK: „Fluhr bey

der Mühl.“ JGS: „Schönbrunn… 1 Mühle.“ WaW: „Schönbrunn… Mahlm.“ Der letzte Inhaber war Franz Himmel, ein Sproß der bekannten Müllerfamilie.“ Der Bach fließt zum Neumühlteich weiter und abwärts davon liegt die ehemalige Tachauer Neumühle. Urb. Stadt Tach 1617: „ Neue Mülelein.“ Tachauer Matrik 1698: „ Neumüll.“ JK: „Bürgerliche neu Müll sub Nr. 128.“ JGS: „ Neumühle.“ MüV: „ Tachau Nr. 305, Inhaber Josef Hüttl, M. und Drechslerei, eingängig, oberschlächtig, Gefälle 5,4 m, Leistung 3,7 PS.“ Es handelte sich um eine neuere Mühle, als die in der Stadt betriebenen alten Mühlen. Der Bach wurde nach den Mühle auch Neumühlbach genannt. Man sprach auch vom Schönbrunner Bachl. Am schief abfallende Wehr verlief der Mühlbach zur Heiligenmühle. Die Anlage wurde nach 1946 zerstört. 200 m weiter mündet der Weißenbach.

Schönwalderbach

Dieser Bach hat viele Quellen und Zuflüsse, die hier zusammengefaßt aufgeführt werden. Er ist 11 km lang und bringt reichlich Wasser zum Reichenbach mit. Der entfernteste Teil des Baches entspringt in 720 m Sh und fließt vornehmlich durch Bergwälder und nasse Wiesen, zunächst zu der Landstraßenbrücke Petlarnbrand – Altfürstenhütte. Von rechts mündet das Wasser des Güllweihers. Nachher folgt der Stegweiher. Nunmehr kommt der Pocherweiher dazu. Es folgt der Grasinger Weiher, der Straßenweiher, die Ludmillensäge und die Spiegelschleife. Dann kommen die obere Schönwalder Mühle, die Wald -, die Tichy – , die Albersdorfer – , Zeisel – und die Mauthmühle.

MAuthmühle

UrbTach 1607 : „Mauttorff… Mühl bey diesem Dorff, Hanß Tröger, Mullner,… Mühl, welche zwier Mühlgäng und eine Schneidt Mühl hat.“ JK: „ Wenzel Trögers Muthmüllers Feld.“ JGS: „ die Mauthmühle und Albersdorfer Mühle, beide mit Brettsägen.“ MüV: „ Mauthdorf Nr. 28, Inh. Joh. Stadler, M. 1 Francisturbine, Gefälle 5 m, Leistung 9 PS.“ Die Anlage wurde nach 1946 zerstört. 400m Bach abwärts kommt der Krebsenhammer.

Krebsenhammer

Auch Spiegelschleife genannt. SK: „ Krebshammer.“ JGS: „ Am Krebsweiher, ein obrktl. Blechhammer, zum Sorghofer Hammerwerk gehörig.“ WaW: „ fürstl. Blechhammer der Sorghofer Werke.“ Einst auch ein Eisenhammer. Nach dem Untergang der Sorghofer Eisenwerke wurde die Anlage um 1860 zu einer „Polier“ umgebaut, wo bis 1918 die Spiegelglas – Erzeugung der Fa. Naschauer stattfand. Nach dem letzten Werkmeister wurde die Manufaktur auch Dietlschleife genannt. Um 1931 kaufte der Mauthmüller das verwahrloste Gebäude, wo er eine Dreherei errichtete. Zuletzt war eine Familie Stadler ansässig, die 1946 vertrieben wurde. Der Bach mündet heute in die südliche Bucht des Lucina – Stausees. Früher mündete dieser direkt in den Reichenbach. Von da an nannte man das Gewässer Mies bzw. Miesa. Die Anlage wurde nach 1946 zerstört.

Weißenbach

Dieser wasserreiche Zufluß entspringt in 735 m Sh in der Nähe von Mittel – Planerbrand. Er fließt in südlicher Richtung zum Bärnmühlweiher weiter. Er nimmt das Brandner Waldbächlein aus dem Hirschenwald auf, fließt am ehemaligen alten Halser Forsthaus vorbei zum Pixenhammer und den Hammer – und Mühlteich zu.

Hintere Neumühle

GemLex: „ Büchsenhammer.“ MüV: „ Hals Nr. 60, Inh. Freiherr von Landwehr – Wehrheim, Mühl und Sägemühle, 1 Francisturbine, Gefälle 6 m, Leistung 6,8 PS.“ Der Überlieferung nach hat man dort einst Büchsen und Schießwaffen erzeugt. Die Mühle war jüngeren Alters als die Halser Dorfmühle und lag abseits vom Dorf. In den 30er Jahren hörte der Mühlbetrieb auf und die Anlage diente als kleines Kraftwerk zur Stromgewinnung. Die Anlage wurde nach 1946 zerstört.

Von rechts kam das „Hulabächlein“ zum Weißenbach dazu. Das Wasser floß durch den „Flachaweiher zum Mühlteich in Hals weiter. Der Teich war über 2 ha groß. Der Weißenbach nahm auch den Lohbach, der in 680 m Sh im Lohbühlbereich in der Nähe von Mittel- Planerbrand entspringt und in südlicher Richtung weiter – fließt. Beim ehemaligen „Schmierofen“ befand sich einst eine Meilerstätte, welche die Halser Eisenhämmer mit Holzkohle versorgte. Später wurde dort Teer erzeugt, welches durch die Destillation von Holz ermöglicht wurde. Weiter rechts war die Einschichte „Schafruhe“ gelegen. Nunmehr trug das Wasser auch den Namen Zeilerbach, durchfloß das Halser Strandbad und mündete in den Mühlteich.

Mühlteich und die Halser Mühle

Dieser ist etwa 3 ha groß; auf dessen Damm führte die Halser Dorfstraße entlang. UrbTach: „ Hallß… Hans Ritzer, Mühl…“ ThK: „ Halß… eingängig, Mühl – und Brettsäge.“ MüV: „ Hals Nr. 37, Inh. Wenzel Gartner, jun.., Mahl – und SägeM…, zweigängig, oberschlächtig, Gefälle 4,5 m, Gesamtleistung 7,8 PS.“ Die Familie Gartner wurde 1946 vertrieben.

Der Bach floß zum See- und Bräuweiher und zur Haubnermühle weiter.

Haubnermühle

MüV „ Frauenreith Nr. 34, Inh. Wilhelm Hochmuth, M. eingängig, oberschlächtig, Gefälle 3,5 m, Leistung 2,4 PS.“ Die Mühle wurde nach 1900 an die Tachauer Drechsler Gebrüder Fleißner verpachtet. Nach 1946 zerstört.

Spirkmühle

UrbTach:“ Frawenreuth, Simon Sperkh, Müllner.“ Tachauer Matrik 1733: „spirkrn Mühl.“ JGS: „ (Frauenreith) ö. liegt an einem Brand (Brandrodung), die Spirkmühle.“ WaW: „ Frauenreut… samt Spirkmühle.“ MüV: „ Frauenreith Nr. 25, Inh. Anton Himmel, M., 1 Francisturbine, Gefälle 4,5 m, Leistung 7 PS.“ Der Name dürfte vom Spirk, den Sperling (Spatz) herstammen. Ein Besitzer hieß einst „Sperkh“.Es war eine sogenannte Kunstmühle mit modernen Mahlwerk. Die Anlage wurde total zerstört. Die Familie Himmel wurde 1946 vertrieben

TEufelsweiher

Dieser war 4 ha groß und wurde 1871 durch einen Wolkenbruch zerstört. UrbTach: „ Zum Vierdten – der Gamßnitz oder Teufels Weyher.“ JK: „ Teufels Weyher, Teufelsbachl.“ Teichl, den P.P. Paulanern gehörig, Teufelsteucht genannt.“ Der Bach fließt durch ein enges Waldtal dem Heimerlwerk in Heiligen zu.

Heimerlwerk

Auch Kohner – und Deglmann – Fabrik genannt. MüV: „ Heiligen, Nr. 24, Inhaber M. Kohner und Söhne, Holzdrechslerei, 1 Francisturbine, Gefälle 7 m, Leistung 10 PS.“ M. Kohner mußte 1938 seinen Besitz verlassen. Oberhalb der Fabrik befand sich ein Stauwehr. Nach dem Umbau der ehemaligen Brettsäge, hieß das Werk nach den jeweiligen Besitzer. Der Weißenbach unterquert die Verbindungsstraße Sorghof – Heiligen bei Tachau (Aglaiental). und fließt in die Mies. Die Anlage wurde nach 1946 total zerstört. Die Bewohner vertrieben.

Die Mies (auch Miesa) genannt

Über eine Landstraßenbrücke führt der Weg nach Heiligen. Dort befand sich einst das „Paulanerkloster“ des gleichen Ordens. Kaiser Josef der II löste dieses auf. Der Fluß fließt der Heiligemühle zu.

17. Heiligenmühle

ThK: „ Heiligen Mühl mit Schneidesäge.“ JK: „ Mahlmühl samt Brettschneidesäg, dem P.P. Paulanern gehörig.“ JGS: „ (Heiligen) 1 Mühle, 1 Weißgärber und 1 Lohgärber – Walke… auch ist hier ein Rechen zum Behuf der Holzflöße .“WaW: „ Heiligen Mahlmühle, Weiß – und Lohgerb – Walke …nächst dem Holzflöße – Rechen.“ MüV: „Heiligen Nr. 4, Inhaber Fr. Glasauer, Mahl – und SägeM, Schindelmaschine, 2 Francisturbinen, Gefälle 4,5 m, Gesamtleistung 35,4 PS.“ Etwa 500 m Bach abwärts liegt die Luglmühle. Die Anlage wurde nach 1946 total zerstört, die Bewohner vertrieben.

18. Luglmühle

UrbTach 1616: „ Lugl Mühl.“ MatrTach 1640: „luglmühle.“ ThK: „ hftl. Mühl zu 2 Gäng am stetten Wasser.“ JK: „ Mathes Schreiner, Luglmüllers Feld Mahlmühl sub. Nr. 127.“ MüV: „ Tachau Nr. 312, Inh. H. Lanzendörfer, Dreherei, eingängig, unterschlächtig, Gefälle 1,2 m, Leistung 3,2 PS.“ Der Name stammt wahrscheinlich vom „Lugl“ ab, ein Kosename von Lukas. Die Anlage wurde nach 1946 total zerstört, die Bewohner vertrieben. Der Fluß fließt zur Angstmühle weiter.

19. Angstmühle

UrbTach 1616: „Angst Mühl.“ TachMatrik: „ angstmill.“ ThK: „ hftl Mühl zu 2 Gäng, am stetten Wasser.“ JK: „ … sogen. Angstmühl sub. Nr. 126, Philipp Rauch, Angstmüller.“ SK: „ Angstmühl, Friedrich Rauch, Müller.“ WaW: Angstmühle, abs. Mahlmühlen – Einschicht.“ MüV: „ Tachau Nr. 311, Inh. Wilhelm Glasauer, M. eingängig, mittelschlächtig, Gefälle 2,1 m, Leistung 4,3 PS.“ Über die Mühle berichtet eine Sage vom „Wassermann“, der dort eines nachts aufgetaucht sein soll und dessen Bewohner in Angst und Schrecken versetzt hat. Die Familie Glasauer wurde 1946 vertrieben. Der Letzte Mühlenbesitzer war ein gewisser Lavicka. Das Gebäude wird heute von einem Pani Kirschner als Baumateriallager verwendet. 300 m weiter mündet der Tachauer Stadtbach.

Stadtbach

Er entspringt 2 km westlich von Wittingreith und fließt in südwestlicher Richtung durch mehrere Weiher. TachUrb: „ Gemeindt Pach.“ Am Oberlauf durchläuft er den „Hitscherteich, 3 ha groß, 18 tcbm Inhalt. ThK: „ Hitschhofweiher.“ JK: „ Hitschoweyher.“ Der Bach fließt zum „Zeiger – oder Ziegelweiher“ weiter. JK: „ Zaigelteucht.“ Oberhalb der Mündung in die Mies liegen am Stadtbach die 2 Galgenweiher. Weiter in Richtung der Schloßmühle fließend, berührt der Fluß die Leinwandbleiche und die Fischzuchtpfalter. UrbTach1607: „Zum Achten Kunst- Fisch – Behalter hintter den Schloß.“ Etwas weiter abwärts befand sich einst eine „Tuchwalke.“JK: „ Tuchmacherwalke.“ Unterhalb dieses Baches befindet sich das heutige Tachauer Stadtbad.

20. Schloßmühle

UrbTach: „ … und Schloß oder Venusmühl.“ JK: „ Herrschaftliche Schloßmühl mit 2 Mahlgängen sub Nro. 10.“ JGS: „ die am Schlosse gelegene Schloßmühle.“ WaW: „ Schloßmühl.“ MüV: „ Tachau Nr. 308, Inh. Franz Glasauer, M, eingängig, unterschlächtig, Gefälle 1,4 m, Lesistung 5,2 PS.“ An dem Gebäude sieht man die Jahreszahl 1645 und das „Husmannsche „ Wappen. Unterhalb der M. befinden sich die Fischzuchtbehälter des Tachauer Schloßes.

Fischzuchtbehälter

UrbTach 1607: „ Zum Neundten – der von Holz aufgebaute Fischkasten mit 4 Pächen am Mühlgraben hintter dem Schloß.“ K: “ hftl. Fischerhaus… Fischbehälter.“ Aus südwestlicher Richtung mündet der 2 km lange kanalisierte Spitalbach. Die Regulierung dieses Baches wurde 1913 ausgeführt.

,Der Fluß unterquert anschließend 2 Brücken; bei letzterer mündet das kanalisierte Lerchenflugbächlein, aus der gleichnamigen südlich gelegenen Flur kommend; die Mies fließt zur Stadtmühle weiter.

Stadtmühle

UrbTach.“ … die Stadt – Mühl.“ JK: „ emphyteutische (herrschaftl. Besitz) Stadtmühl sub Nro. 70, Paul Rauch, Stadtmüller.“ JGS: „ die Stadtmühle.“ WaW: „ Stadtmühl.“ MüV: „ Tachau Nr. 129, Inh. Anton Lugner, Dreherei, eingängig, unterschlächtig, Gefälle 1,2 m, Leistung 4,6 PS.“ Im Jahre 1871 wurde die Mühle durch einen Brand zerstört. Die Mühle war zuletzt Eigentum der Stadt Tachau.

Der Fluß fließt weiter zum Steg beim ehemaligen Karmeliter-, später Franziskanerkloster. Da verlief einst ein Befestigungs – Wassergraben der Stadt, den Biegelsgraben, welcher in Fortsetzung „Rahmgraben“ hieß. Es folgte die Priomühle.

Priormühle

JK: „ emphyteutische Priormühle sub Nro. 8.“ An der westlichen Seite des Klosters befindet sich die M. Durch den Hof des Klosters selbst läuft ein Arm der Miesa. WaW: „ Priormühl.“ MüV: „ Tachau Nr. 470, Inh. Joh. Deglmann, Dreherei, 1 Girardturbine, Gefälle 1 m, Leistung 6 PS.“ 1748 wurde die Mühle durch einen Brand zerstört. Die M. gehörte einst den Prior des Franziskanerklosters. Durch den Stadtgarten fließt das Wasser zur Aumühle weiter.

AUmühle

JK: „emphyteutische Aumühl,

sub Nro. 20.“ WaW: „ Aumühl.“ MüV: „ Tachau Nr. 442, Inh. Aumühle GmbH, Kraftwerk u. Sägemühle, 1 Francisturbine, Gefälle 2 m, Leistung 15 PS.“ Die Mühle hatte den Namen von der großen Au, in welcher sie einst stand. Dort gab es auch kleine Flußinsel. Die Anlage wurde nach 1946 total zerstört. Der Fluß unterquert dann die Staatsstraße Mies – Pilsen, dann die Eisenbahnbrücke der Strecke Tachau – Haid – Bischofteinitz und läuft an der ehemaligen Kaiserallee (auch Marschall – oder Säuerlings – Allee genannt) dem sogenannten Tachauer Gesundbrunnen zu.

Gesundbrunnen

Das Wasser des Brunnens ist sehr eisenhaltig, welches früher von den Einwohnern gerne getrunken wurde. JSch: „ Nahe der Stadt trifft man auf einen Sauerbrunnen.“ JGS: „ Hier führt eine Doppelallee zu einem Tempel überbauten Sauerbrunnen, dessen Wasser angenehm zu trinken war. Es handelt sich um einen 2 m tiefen Brunnen, mit einer Ergiebigkeit von 25 l/min. Die Temperatur beträgt 8,7 Grad Celsius; eine schwach mineralisierte Heilquelle mit den Inhalt Na u.Cl.“ Man war bemüht, den Gesundbrunnen zu beseitigen, weil man eine Konkurrenz zu Marienbad befürchtete. Der Brunnen wurde 1851 von der Herrschaft zugeschüttet, jedoch entsprang 1853 das Wasser an der heutigen Stelle wieder. Heute kann man niemandem mehr raten, das Wasser zu trinken, denn durch den Abbau von Uran in Erdinneren des Gebietes dürfte die Reinheit wesentlich beeinträchtigt worden sein. Der Abbau der Uranpechblende erfolgt bis 1989 bereits bis Gegend am Südbahnhof und fast bis zur Staatsstraße in Richtung Pilsen (S 199). Etwa 1 km abwärts mündet bei der Hammermühle (Ulliersreuth) der Zeidelbach. Dieser entspringt in der Gegend von Wosant in 650 m Sh und ist 15 km lang. Der Mies – Fluß läuft dann der Stadt Mies zu, mündet in die Beraun, diese in die Moldau, welche zur Elbe weiter – läuft und in die Nordsee mündet.

Nachklang

Es blieb dem selbsternannten Staatsvolk Böhmens – den Tschechen – vorbehalten, alles zu zerstören, was unsere Altvorderen in mühevoller Arbeit seit Jahrhunderten errichtet haben. Es muß gesagt werden, daß sie nicht nur nicht in der Lage waren, unsere geschichtsträchtige Gegend zu besiedeln, sondern auch nicht Willens waren, dies zu tun. Nichts sollte auf die deutsche Vergangenheit erinnern, was sie bis heute aufrecht erhalten. Aus strategischen Gründen war das umschriebene Gebiet als Aufmarsch – und Sammelraum für eventuelle militärische Zwecke (Angriff auf den Westen) des Warschauer Paktes vorgesehen. Das Gebiet reichte bekanntlich am weitesten in die westliche Hemisphäre hinein. Die Geschichte hat ihre Absichten verhindert. Die Wahrheit siegt, lautete einst der Wahlspruch der Nachfolger der Hussiten. Hoffentlich, hoffentlich!

Erklärung für die Abkürzungen:

csl = tschechoslowakisch -(e), -(er), – (sches)

FlN = Flurname

GemLX = Gemeindelexikon, Sammlung des Prager Statischen Amtes

GenLk = Generalstabskarte (eine österreichische Speziallandkarte)

hftl = herrschaftlich

JGS = Sommer, Johann Gottfried; Das Königreich Böhmen, stat, topogr. Dargestellt, Prag

1838 – 1849

JK = Josephinischer Kataster 1785 – 1789 im Prager Staatsarchiv

JSch = Schaller, Jaroslav: Topographie des Königreiches Böhmen, Prag 1788, 1789

Lanz = Lanzendörfer, Karl, Dr. : Die Ortsnamen des ehemaligen Bezirks Tachau,

1941

MahlM = Mahlmühle

MüV = Verzeichnis der Mühlen u.ä. in Westböhmen, Prag 1930

Müller LK = Müller, Johann Chr.: Mappa Chorographika totinus regni Bohemia, Augsburg

1720

quKl = Quadratklafter

Sh = Seehöhe

SK, IS = Stabilkataster 1838 – 1841 mit Indifikationsskizzen und sogen. Katasterpläne des

geodätischen Archivs in Prag

Tcbm = Tausend Kubikmeter

TachMatr = Tachauer Taufbücher im Regionalarchiv und Landesarchiv in Pilsen

TachUrb = Urbar der Herrschaft Tachau 1607 im Prager Staatsarchiv

ThK = Theresianischer Kataster (Dominikal – Kataster 1749) und Rustikal – Katasters von

1713 und Revisitation 1722

UrbStdTach = Urbar der Stadt Tachau

UrbTach = die einzelnen Urbare der Herrschaft Tachau nach Lanzendörfer

WaW = Watterich, F. C. von Watterich: Handwörterbuch der Landeskunde des Königreiches

Böhmen, Prag 1845

Josef Gleißner