Geleitwort

Liebe Ringelberger Landsleute!

 

Mehr als 50 Jahre sind vergangen, seit wir mit Gewalt aus unserer angestammten Heimat vertrieben wurden. Es muß festgestellt werden, daß wir als „Sündenböcke“ dienen mußten und unser Schicksal auch noch heute von nicht wenigen Zeitgenossen (z.B. den sogenannten 68er) als gerechte Strafe für das Fehlverhalten – wie sie es nennen – gegen die 1. CSR unserer Altvordern angesehen wird.josefpassk

Die Frage, wie sehr sie damals, zum Zeitpunkt des Münchner Abkommens, von der nationalistischen Führung in Prag unterdrückt wurden, und deshalb so handelten, ist heute noch in der CR tabu. Man klammert dies bewußt aus.

Wir meinen, wir Vertriebenen können von den jetzigen Bewohnern unseres Vaterlandes erwarten, daß unser Schicksal nicht verleugnet und bagatellisiert wird.

Unsere Vertreibung hat bewußt und gewollt zur Zerschlagung der Familien – und Dorfgemeinschaft geführt und droht, die Strukturen unserer Kultur für immer zu vernichten.

Es ist die Aufgabe der Erlebnisgeneration, die wirklichen Geschehnisse aufzuzeigen, um zu dokumentieren, daß vieles anders war, als heute berichtet wird.

Trotz umfangreicher Nachforschungen , ist es mir nicht gelungen, die Orts – und Schulchronik der Gemeinde Ringelberg aufzufinden. Weder im zuständigen Kreisarchiv in Tachau, noch im Bezirksarchiv von Westböhmen in Pilsen, sind beide Dokumente vorhanden, obwohl die Regierung der CSR die Beschlagnahme verfügte und diese Chroniken, die seit etwa 100 Jahren geführt wurden, in Verwahrung nahm.

Wenn auch die Reste unserer ehemaligen Gemeinde (85 % wurden zerstört) jetzt „Vysina“ (auf der Anhöhe, am Berg) genannt werden, bleibt für uns dieser Ort weiter und für immer Ringelberg.

Ohne Erinnerungen und Kenntnisse gibt es keine Bewahrung der historischen Ereignisse über unsere verlorene Heimat. Mit der Weitergabe unseres Wissens müssen wir als betroffene Zeitzeugen unsere Nachkommen auf gegebene Tatsachen hinweisen, wie es wirklich war. Wenn es so weitergeht, wie es in letzter Zeit üblich ist, wird die Kritik an der völkerrechtswidrigen Vertreibung in die Grenzen der Harmlosigkeit verwiesen, und über kurz oder lang, als eine entschuldbare Maßnahme dargestellt. Dem müssen wir Überlebende – auch am Ende unseres Daseins – entschiedener entgegentreten.

Alle Beiträge enthalten eigene Erinnerungen, gesammelte und neu erarbeitete Aufzeichnungen aus Veröffentlichungen von Heimatschriften (Heimatblättern, Heimatboten u.a.), die wegen der Vielzahl dieses Schriftgutes nicht einzeln aufgeführt werden können.

Für die Verfasser und dem Herausgeber zählte nicht die Mühe, die mit der Erstellung dieser Zeilen verbunden waren, sondern allein der Wunsch, mit ihr die Liebe zur Heimat, auch am jetzigen Wohnort, wachzuhalten und möglicherweise für die Nachfolgegeneration neu zu entfachen. Wir verknüpfen damit den Wunsch, diese geschichtsträchtigen Abhandlungen auch unseren Kindern und Enkeln zugänglich zu machen.

Gewisse Epochen sind nicht einwandfrei durch nachzuweisende Quellen belegt worden oder konnten nur im bestimmten Umfang ergänzt werden (fehlende Orts – und Schulchronik usw).

Die Ausführungen wurden bewußt in einer einfachen Ausgabe aufgelegt und in einer begrenzten Anzahl im Rahmen meiner beschränkten Möglichkeiten gehalten, um uns nicht zu überfordern, denn eine finanzielle Unterstützung gibt es für derartige Vorhaben nicht. Es konnte nicht alles gebracht werden, was sich in unserer alten Heimat ereignete. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann und wird nicht erhoben werden; aus vielerlei Gründen kann eine exakte Chronologie nicht erwartet werden.

Mögen diese Ausführungen bei jedem Leser Freude und Erinnerungen wachrufen und für unsere Altvorderen ein stilles Gedenken bewirken.

D – 82538 Geretsried, im Frühjahr des Jahres 2002

Josef Gleißner

Ortsbetreuer der Gemeinde Ringelberg a.d.